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Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch

Die Frage nach den Stärken und Schwächen gehört zu den häufigsten Fragen im Vorstellungsgespräch. Viele Bewerber haben Angst, sich mit ihrer Antwort zu disqualifizieren. Doch mit der richtigen Vorbereitung kannst du deine Chance auf den Job deutlich verbessern.

Ein Beitrag von Mirko Bettenhausen

Definition - Was sind Stärken und Schwächen?

Sowohl Stärken als auch Schwächen liegen zwar grundlegend im Auge des Betrachters, dennoch existieren einige Charaktereigenschaften, die im Berufsleben fast überall vorausgesetzt werden.


Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Eigeninitiative

  • Zielstrebigkeit

  • Pflichtbewusstsein

  • Selbstverantwortung

  • Zuverlässigkeit

Um dir einen Überblick zu geben, was Stärken und Schwächen genau sind, haben wir dir die Definitionen sowie viele verschiedene Beispiele in den folgenden beiden Abschnitten zusammengestellt.

Stärken - Definition & Beispiele

Deine persönlichen Stärken sind Dinge, die du gut kannst. Es handelt sich um sogenannte Soft Skills, also Eigenschaften oder Kompetenzen, die du neben deinem Fachwissen (Hard Skills) mitbringst. Neben den Hard Skills sagen deine persönlichen Stärken viel darüber aus, wie erfolgreich du deinen Job ausüben kannst.


Beispiele für mögliche persönliche Stärken:

  • Kritikfähigkeit

  • Kommunikationsfähigkeit

  • Organisationsfähigkeit

  • Stressresistenz / Belastbarkeit

  • Schnelle Auffassungsgabe

  • Selbstständigkeit

  • Analysefähigkeit

  • Strukturierte Arbeitsweise

  • Sozialkompetenz

  • Gutes Zeitmanagement

  • Fremdsprachenkompetenz

Schwächen - Definition & Beispiele

Schwächen sind Fähigkeiten, die bei dir weniger gut ausgeprägt sind als deine Stärken. Es können Merkmale sein, die für deinen Beruf nützlich sind, die aber bei dir nur im geringen Maße vorhanden sind.


Beispiele für mögliche persönliche Schwächen:

  • Fehlende Fremdsprachenkompetenz

  • Introvertiertheit

  • Fehlendes handwerkliches Geschick

  • Fehlendes technisches Verständnis

  • Schüchternheit

  • Mangelnde Präsentationsfähigkeit

  • Schlechtes Zeitmanagement

  • Wenig Praxiserfahrung

  • Geräuschempfindlichkeit

  • Mangelnde Führungsstärke in Gruppen

  • Mangelndes räumliches Denken

Kostenloser Download – 56 Stärken und Schwächen im Überblick

Wir haben dir viele weitere Beispiele für Stärken und Schwächen in einer PDF-Datei zusammengefasst, die du dir ganz einfach durch einen Klick auf den Download Button herunterladen kannst!

Warum fragen Personaler nach Stärken und Schwächen?

Die Frage nach den Stärken und Schwächen eines Kandidaten wird in fast jedem Vorstellungsgespräch gestellt. Jeder Bewerber kennt sie, jeder Bewerber muss sich darauf vorbereiten. Doch was bezwecken Personaler mit der Frage eigentlich?


Personalern geht es darum, die Persönlichkeit des Kandidaten besser einschätzen zu können. Sie wollen ermitteln, ob das individuelle Bewerberprofil zur ausgeschriebenen Stelle und zur Unternehmenskultur passt. Manchmal führen Unternehmen ganze Persönlichkeitstests mit Bewerbern durch, um ihnen auf den Zahn zu fühlen. Das ist nicht immer der Fall, aber ein Blick auf typische Fragen kann bei der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch helfen.


Tatsächlich geht es Personalern aber nicht nur darum, konkrete Stärken und Schwächen herauszufiltern. Stattdessen wollen sie testen, ob du ehrlich und selbstreflektiert antwortest. Denn jeder Mensch hat Schwächen - das weiß auch der Personaler. Doch wenn du selbstreflektiert über sie berichtest, zeigst du deinem potenziellen Vorgesetzten, dass du mit ihnen umgehen kannst und aus Fehlern lernst.

Tabelle direkte und indirekte Formulierungen von Fragen nach Schwächen

So könnten Fragen nach Schwächen formuliert werden.

Versteckte Fragen nach Schwächen erkennen

Nicht immer sind Fragen nach Schwächen im Vorstellungsgespräch eindeutig als solche zu erkennen. Mittlerweile setzen viele Personaler auf indirekte Fragestellungen


Die Tabelle zeigt Beispiele für direkte sowie indirekte Fragestellungen zu deinen Schwächen. Achte in deinem Vorstellungsgespräch stets darauf, ob hinter einer Fragestellung oder Aussage des Personalers eine indirekte Frage nach deinen Schwächen stecken könnte!

Vorbereitung - Eigene Stärken und Schwächen ermitteln

Die Frage nach unseren persönlichen Stärken und Schwächen ist spontan oftmals schwierig zu beantworten. Wenn du dir jedoch einmal bewusst Zeit für eine gewisse Selbstreflexion nimmst, fallen dir sicherlich einige Punkte ein. 

Im Rahmen einer Selbstanalyse kannst du dir folgende Fragen stellen, um eine Stärken-Schwächen-Übersicht zu ermitteln:

  • Welche zwei Eigenschaften würde dein Chef an dir besonders schätzen?

  • Wofür hast du von deinen Kollegen häufiger Komplimente erhalten?

  • Wodurch hebst du dich von anderen ab?

  • Was mögen deine Freunde nicht so gerne an dir?

  • Welche Tätigkeiten machen dir besonders Spaß?

  • Wo kannst du deine bisher größten Erfolge verbuchen?

  • Wobei kommst du häufig an deine Grenzen?

  • Wann hast du dich das letzte Mal über dich selbst geärgert und warum?

  • Welche drei Worte beschreiben dich am besten?

Eine weitere Möglichkeit, um dich selbst noch besser einschätzen zu können, besteht darin, deine Freunde und Familie nach ihrer Meinung zu fragen. Bitte sie, dir offen deine Stärken und Schwächen zu nennen und frage konkret nach, wenn die Antworten zu oberflächlich bleiben. Dies kann am Ego kratzen, bringt dich deinem Traumjob aber ein gutes Stück näher. Außerdem ist niemand frei von Makeln.

Wingfinder, ein valider kostenloser Persönlichkeitstest, bietet dir die Möglichkeit, online deine beruflichen Stärken herauszufinden. Innerhalb des 35 Minuten andauernden Persönlichkeitstests werden aus den vier Schlüsselbildern Motivation, Verbundenheit, Kreativität und Denkfähigkeit deine Stärken herauskristallisiert. Hier startest du den Online-Test.

Wie viele Stärken und Schwächen sollte ich nennen können?

Personaler wollen nicht nur ermitteln, welche Stärken und Schwächen du tatsächlich besitzt. Es macht auch einen guten Eindruck, wenn du zeigst, dass du dich im Vorfeld auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet hast. Dabei solltest du dir über jeweils zwei bis drei Stärken und Schwächen Gedanken gemacht habe.


Wichtig: Qualität geht vor Quantität. Reflektiere deine Stärken und Schwächen. Sei in der Lage, sie zu begründen und liefere Beispiele.

Deine größten Stärken solltest du bereits in der Bewerbung unterbringen. Der richtige Platz dafür findet sich im Anschreiben oder ggf. Motivationsschreiben. Wichtig ist jedoch immer, dass du die Aussagen zu deinen Stärken und Fähigkeiten belegst. Standard-Formulierungen wie „Darüber hinaus bin ich teamfähig und zielstrebig“ solltest du grundsätzlich vermeiden. Auch dein Lebenslauf und deine Zeugnisse (insbesondere Arbeitszeugnisse) lassen den Personaler Rückschlüsse auf deine Stärken und Schwächen ziehen.

Praxis - Stärken und Schwächen erfolgreich wiedergeben

Nachdem du dich ausgiebig mit deinen eigenen Stärken und Schwächen auseinandergesetzt und ein eigenes Stärken-Schwächen-Profil aufgestellt hast, ist es nun an der Zeit, dieses im Vorstellungsgespräch zielführend zu vermitteln.


Folgende Grundregeln solltest du bei deiner Antwort auf die Frage nach Stärken und Schwächen befolgen:

  • Bleibe souverän und gelassen: Gerade die Frage nach den eigenen Schwächen kann schnell zur Stressfrage werden und Bewerber aus der Ruhe bringen. Daher ist eine gute Vorbereitung essenziell. Hast du deine Stärken und Schwächen bereits im Vorfeld analysiert, kannst du im Vorstellungsgespräch mit einer durchdachten Antwort punkten.

  • Vermeide Floskeln und Unstimmigkeiten: Setze bei der Beschreibung deiner Stärken und Schwächen auf Individualität. Beliebte Standardantworten werden von Personalern meist sofort erkannt – vor allem, wenn diese nicht zu den Angaben in deinem Lebenslauf passen. Typische Sätze, wie „Ich bin Perfektionist“ oder „Ich arbeite zu viel“ , die eine versteckte Stärke darlegen sollen, sind Personalverantwortlichen mittlerweile bekannt.

  • Sei ehrlich: Du solltest der Frage weder ausweichen noch versuchen, mit falschen Angaben die Gunst des Personalers zu gewinnen. Stattdessen empfiehlt es sich, zwei bis drei deiner Stärken und Schwächen wahrheitsgemäß darzustellen. Dies zeugt von einer selbstreflektierten Persönlichkeit und weckt Sympathie.

  • Relativiere deine Schwächen: Mit Wörtern wie „manchmal“, „gelegentlich“ oder „vereinzelt“ kannst du deine Schwächen entkräften und diese deutlich weniger dramatisch erscheinen lassen. Zudem solltest du direkt im Anschluss erklären, wie du an einer Schwäche arbeitest.

  • Gib keine berufsrelevanten Schwächen an: Verzichte auf die Erwähnung von Schwächen, die dich als Kandidaten für eine Position disqualifizieren oder zumindest ungeeignet erscheinen lassen. Ein schlechtes Zeitmanagement ist z.B. mit der Arbeit in einer Zeitungsredaktion ebenso unvereinbar wie mangelnde Führungsstärke mit einer Management-Position.

  • Belege deine Stärken: Bei der Erläuterung deiner Stärken solltest du darauf achten, dass du diese immer mit konkreten Beispielen untermauerst. Wenn du bereits mehrere Projekte in einem Team bearbeitet hast, kannst du diese Tatsache als Beleg für deine Teamfähigkeit oder dein Organisationstalent anbringen.

Eigene Stärken vermitteln - Beispielformulierungen

Bei der Vorstellung deiner Stärken solltest du dich von deiner besten Seite präsentieren, aber unbedingt darauf achten, nicht zu übertreiben. Im Optimalfall stellst du einen Bezug zu deinem zukünftigen Arbeitsalltag her und lässt dir originelle Aspekte einfallen. Damit der Drahtseilakt zwischen „selbstbewusst, aber nicht arrogant“ gelingt, gilt hier: Sei ehrlich und verbinde deine Aussagen mit konkreten Beispielen.


Beispiele für die Formulierung von Stärken im Vorstellungsgespräch:

  • „Meine Stärke ist meine Kritikfähigkeit. Ich versuche dabei immer, mich in den Standpunkt meines Gegenübers hineinzuversetzen. So kann ich mich am besten weiterentwickeln.“

  • „Meine Stärke ist meine schnelle Auffassungsgabe. Ich arbeite mich schnell in neue Themenfelder ein und kann mir gut Daten und Zahlen merken. In meinen Arbeitszeugnissen können sie sehen, dass ich regelmäßig neue Projekte und Themengebiete übernommen habe.“

  • „Meine Stärke ist meine ausgeprägte Selbstständigkeit. Ich kann mir meine Arbeitsaufgaben selbst suchen und übernehme dabei gerne die Verantwortung.“

  • „Meine Stärke ist, dass ich trotz Zeitdruck gute Arbeit leiste und eine hohe Stressresistenz habe. Wenn ich kurz vor einer Deadline stehe, dann mobilisiere ich noch einmal all meine Ressourcen.“

  • „Meine Stärke ist meine Organisationsfähigkeit. Ich arbeite sehr strukturiert und kann daher effizient Termine koordinieren und Veranstaltungen organisieren. Daher wollten die Kollegen in meinem vorherigen Job auch immer, dass ich die Betriebsausflüge plane.“

  • „Meine Stärke ist es, Präsentationen und Vorträge zu halten. Mir bereitet es Freude vor Menschen zu sprechen und mein Wissen zu teilen.“

Eigene Schwächen vermitteln - Beispielformulierungen

Bei der Vermittlung deiner Schwächen geht es darum, Ehrlichkeit mit einem guten Vorsatz zu verbinden. Du solltest dabei jedoch immer deine zukünftige Stelle und die gewünschten Grundkompetenzen im Auge haben. Im Kundenservice ist es z. B. nicht angebracht, zu introvertiert zu sein.


Verwende einschränkende Worte wie „im Moment“, „manchmal“, „in Ausnahmesituationen“, „ab und an“ oder „hin und wieder“, um zu signalisieren, dass deine schwache Eigenschaft oder aktuelle Kompetenz nicht unveränderbar ist.


Beispiele für die Formulierung von Schwächen im Vorstellungsgespräch:

  • „Meine Schwäche ist das Networking. Mir fällt es auf Netzwerkveranstaltungen schwer, die richtigen Kontakte zu knüpfen und entspannt zu interagieren. Aber ich arbeite bereits daran und habe mir ein Ticket für ein Vertriebsseminar gebucht.“

  • „Meine Schwäche ist das Sprechen vor größerem Publikum. Ich fühle mich unwohl und werde schnell nervös. Ich habe mir jedoch fest vorgenommen, dies in den Griff zu bekommen und mich für einen Rhetorikkurs angemeldet.“

  • „Meine Schwäche ist das Priorisieren von Aufgaben und dabei den Überblick zu behalten. Daher verwende ich seit einiger Zeit gezielt To-do-Listen und arbeite mit einem Buch zum Thema Zeitmanagement.“

  • „Meine Schwäche ist, dass es mir manchmal schwerfällt mich kurzzufassen. Ich übe meine Präsentationen zu Hause daher mit einem Timer und plane bei Meetings grundsätzlich 15 Minuten mehr ein.“

  • „Meine Schwäche ist, dass ich hin und wieder zu direkt bin. Ich bespreche dies jedoch von Beginn an mit meinen Kollegen und hole mir regelmäßig Feedback dazu ein.“

  • „Meine Schwäche sind meine Sprachkenntnisse. Ich spreche zwar gutes Englisch, benötige aber immer wieder eine Auffrischung. Ich mache daher einmal im Jahr gezielt Urlaub in einem englischsprachigen Land und suche vor Ort das Gespräch mit Einheimischen.“

Dos und Don´ts während der Stärken-Schwächen Präsentation

Um sicherzustellen, dass deine Stärken-Schwächen-Präsentation erfolgreich abläuft, haben wir dir einige Do´s und Don´ts für das Vorstellungsgespräch zusammengestellt. Versuche, möglichst viele Do´s umzusetzen sowie Don´ts zu vermeiden.

Dos:

  • Stelle deine Vorzüge und Schwachstellen wahrheitsgemäß dar und bleibe sachlich.

  • Belege deine Argumente mit Beispielen und konkreten Situationen.

  • Beziehe dich überwiegend auf deine Soft Skills.

  • Bleibe ruhig und gelassen, auch bei unangenehmen Stressfragen.

  • Benutze individuelle Formulierungen und vermeide Floskeln.

  • Sei so ehrlich und authentisch wie möglich.

  • Es reicht aus, zwei bis maximal drei deiner Schwächen anzuführen.

  • Relativiere deine Schwächen, zum Beispiel mit Ergänzungen wie: „gelegentlich“, „stellenweise“, „hin und wieder“, „vereinzelt“.

Don’ts:

  • Vermeide Schwächen, die für deine zukünftige Stelle entscheidend sind.

  • Verzichte darauf, Stärken zu Schwächen umzudeuten.

  • Benutze keine vorgefertigten Standardantworten und Worthülsen.

  • Erstelle keine ausführliche Beschreibung deiner gesamten Schwächen und vermeintlichen Unzulänglichkeiten.

  • Auf die Frage nach deinen Schwächen sind humorvolle Antworten wie „Schokolade und Pizza“ fehl am Platz.

  • Vermeide Selbstverständlichkeiten. Pünktlichkeit ist beispielsweise keine Stärke, sondern wird vorausgesetzt.

  • Behaupte nicht, keine Schwächen zu haben. Damit wirst du eher disqualifiziert, anstatt als perfekter Kandidat gesehen zu werden.

In einer Checkliste haben wir dir die wichtigsten Aspekte zum Thema Stärken-Schwächen-Präsentation im Vorstellungsgespräch zusammengefasst. Lade sie dir jetzt kostenlos herunter! 

Ein Foto von Mirko Bettenhausen

Autor: Mirko Bettenhausen

Nach seinem Studium der Medienwissenschaften und Anglistik hat Mirko als Texter im „Die Bewerbungsschreiber“ Team Bewerbungen für Personen aus verschiedenen Berufszweigen und mit diversen Bildungshintergründen verfasst. Durch den engen Kundenkontakt in der telefonischen Beratung lernte er die Probleme und Bedürfnisse der Bewerber kennen. Dieses Wissen verarbeitet er nun in Artikeln für unsere Webseiten sowie in den Videos für den YouTube Kanal von Bewerbung.net.


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