Ehrenamt im Lebenslauf angeben

Grundsätzlich lässt sich sagen: Wenn du ein Ehrenamt ausübst, dann solltest du das in deiner Bewerbung erwähnen. Es ist allerdings wichtig, dass es sich hierbei um eine konstante und über einen längeren Zeitraum ausgeübte Tätigkeit handelt, die im besten Fall in Beziehung zur ausgeschriebenen Stelle steht. Einmalige Aktionen wie das Gassigehen mit einem Hund aus dem Tierheim solltest du nicht als Ehrenamt aufführen.

Die Angabe von Ehrenämtern erfolgt hauptsächlich im Lebenslauf, in manchen Fällen wird es zusätzlich im Anschreiben erwähnt (dazu gleich mehr). Meist werden Kategorien wie „Sonstiges“ oder „Besondere Kenntnisse“ für die Angaben zum Ehrenamt oder Hobbys im Lebenslauf verwendet. Deiner Angabe im Lebenslauf müssen folgende Informationen zu entnehmen sein:

  • Einrichtung, in der du deine Arbeit geleistet hast / aktuell leistest
  • Art der Tätigkeit und ggf. beispielhafte Aufgaben
  • optional Dauer bzw. Zeitraum der Tätigkeit
Ehrenamt Lebenslauf Kategorie

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Bietet dein Lebenslauf genügend Platz und du hast mehr als eine ehrenamtliche Tätigkeit, kannst du überlegen, eine eigene Kategorie mit entsprechendem Titel zu erstellen oder ihn mit dem Bereich Interessen zu verknüpfen. Mögliche Titel wären zum Beispiel:

  • „Ehrenamtliche Tätigkeiten“
  • „Soziales Engagement“
  • „Ehrenamtliches Engagement und Interessen“

Grundsätzlich dient der Lebenslauf nicht als reine Aufzählung aller deiner bisherigen Leistungen, sondern sollte nur wirklich relevante Dinge aufführen, die deine Qualifikation für den Job verdeutlichen. Das gilt vor allem für Bereiche wie „Interessen“. Nennst du beispielsweise Programmieren als persönliches Interesse, bewirbst dich aber für eine Stelle in der Altenpflege, kann ein Personaler keine relevante Eigenschaft für deine Eignung daraus schließen.

TIPP Ehrenämter wiegen nicht Weiterbildungen wie Sprach- oder Computerkurse auf, da diese zusätzlichen Qualifikationen fachlich gesehen wichtiger sind. Ein soziales Engagement kann eine gute Ergänzung zu den beruflichen Qualifikationen sein, ist aber bei Weitem kein Substitut.

Falls das Ehrenamt eine besondere Relevanz für den Beruf hat, solltest du ebenfalls im Bewerbungsschreiben darauf eingehen. Sprich die Vorteile an, die sich daraus ergeben und wie diese sinnvoll für die Stelle genutzt werden können. Konkrete Beispiele können die Wirkung positiv hervorheben:

Zitatbox

„Durch meine Arbeit im Jugendheim Kinderfroh konnte ich meine Geduld und mein Empathie-Empfinden sensibilisieren und möchte dies gerne gewinnbringend in Ihrer Kindertagestätte als Erzieherin einsetzen.“

„Die Arbeit mit Menschen erfüllt mich, weshalb ich bereits während meines Studiums ehrenamtlich im Krankenhaus tätig war. Nach meinem abgeschlossenen Pflegewissenschaft-Studium möchte ich meine Leidenschaft endgültig zum Beruf machen und in Ihrer Einrichtung tätig werden.“

„Meine Kommunikationsstärke konnte ich durch mein ehrenamtliches Engagement bei der Beispielstelle entscheidend stärken.“

Es sollte dabei deutlich werden, dass dies trotzdem „nur“ eine Nebentätigkeit ist und du den Job, für den du dich bewirbst, mit vollen Kräften angehen kannst und dich das Ehrenamt nicht einschränkt.

Nachweis des Ehrenamts

Wenn du dein Engagement mit einem Nachweis in Form eines Arbeitszeugnisses oder einer Urkunde bestätigen kannst, ist das ideal. Lege diese Unterlagen deiner Bewerbung bei. So umgehst du mögliche Rückfragen der Personaler und deine Angaben erscheinen glaubhaft.

STIFT Es besteht in der Regel kein gesetzlicher Anspruch auf eine Bescheinigung oder ein Zeugnis über eine ehrenamtliche Tätigkeit.
Die wenigsten Träger werden sich aber weigern, wenn du sie darum bittest.
Hier lohnt es sich vor allem auch zu fragen, ob die einzelnen Aufgaben mit aufgelistet werden können.

Wann und welches Ehrenamt im Lebenslauf ist sinnvoll?

Solltest du deine ehrenamtliche Tätigkeit im Lebenslauf lassen? Die Nennung von ehrenamtlichen Tätigkeiten ist nicht in jedem Fall sinnvoll. Wann es sich jedoch immer empfiehlt, ist bei gegebener Relevanz für die Stelle, auf die du dich bewirbst. Hast du lange Zeit im Krankenhaus ausgeholfen und bewirbst dich dort jetzt für eine Vollzeitstelle als Krankenschwester, kann dir das einen Vorteil verschaffen, da du scheinbar bereits das passende Verantwortungsbewusstsein und den richtigen Einsatz mitbringst.

Falls die Tätigkeit nicht in direktem Zusammenhang mit der Stelle steht, sie aber eine neue Seite deiner Persönlichkeit zum Vorschein bringt, die sich mit geforderten Eigenschaften der Stellenausschreibung gleicht, ist das ebenfalls ein Pluspunkt. Beispielsweise wird bei Informatikern oft die soziale Kompetenz oder Kommunikationsfähigkeit hinterfragt und kann hier ideal verdeutlicht werden.

Wenn du dich für einen Bürojob bewirbst kann zudem dein Organisationstalent von einer ehrenamtlichen Tätigkeit in einem Verein unterstrichen werden, in dem du dich möglicherweise um die Organisation von Veranstaltungen kümmerst.

Außerdem unterstreicht eine solche Tätigkeit Eigenschaften wie Teamfähigkeit oder Verantwortungsbereitschaft, die sonst meist floskelhaft im Anschreiben erwähnt werden. Ehrenamt steht darüber hinaus für außerordentliche Leistungs- und Einsatzbereitschaft.

Welches Ehrenamt sollte ich nicht angeben?

Bei einem Arbeitgeber kann ein soziales Engagement außerhalb der Arbeit nicht nur positiv aufgefasst werden. Auch wenn du dort möglicherweise Fähigkeiten und Kompetenzen in deiner Freizeit weiterentwickelst, kann zuviel außerberuflicher Einsatz deine Jobchancen auch schmälern.

Dabei kommt es immer auch auf die Art der ehrenamtlichen Tätigkeit an. Manche Arbeitgeber mögen zwar deinen Einsatz wertschätzen, allerdings kann dabei auch der Eindruck entstehen, dass du dich außerberuflich verausgabst und du nicht vollends auf die Arbeit fokussiert bist. Das kann bei der Angabe im Lebenslauf zum Ehrenamt bei der Feuerwehr der Fall sein. Zudem können (extreme) politische oder religiöse Motive je nach Arbeitgeber auch besonders nachteilig sein.

Weniger sinnvoll ist die Angabe bei folgenden Bedingungen:

  • Nennung von einmaligem Engagement oder kurzen Episoden verschiedener Tätigkeiten
  • Kein oder ein nur zwanghaft hergestellter Bezug zum Job
  • Das Ehrenamt verdeutlicht die Auslebung eines extremen politischen oder religiösen Standpunktes (der sich negativ auswirken könnte)
  • In Verbindung mit Gefahr und hohem Zeitaufwand (z. B. bei der Feuerwehr)
  • Ehrenamt bei einer Gewerkschaft

Bewirbst du dich für ein Stipendium, musst du den Nutzen eines Ehrenamtes individuell bestimmen. Oft kann es eine Voraussetzung sein, um in den engeren Bewerbungsprozess vorzudringen. Für Berufseinsteiger kann ein Ehrenamt sinnvoll sein, da es möglicherweise geringe Berufserfahrung wettmacht und auf Eigenschaften wie Organisationsvermögen oder Verantwortungsbereitschaft schließen lässt.

In welchem Umfang sind die Angaben sinnvoll?

Hier gilt das Motto: Mehr ist nicht gleich besser und Qualität geht über Quantität. Du solltest es mit den ehrenamtlichen Aktivitäten in der Bewerbung nicht übertreiben. Bei zahlreichen Angaben könnte der Verdacht aufkommen, du widmest deine Energie nur dem Ehrenamt und der eigentliche Job stünde nur an zweiter Stelle. Außerdem könnte der Eindruck entstehen, du seist sehr sprunghaft. Eine Angabe von den zwei relevantesten Engagements sollte im Regelfall genügen.

TIPP Soziales Engagement hilft nicht nur den Personen, für die du dich einsetzt, sondern auch dir. Dein Empathie-Empfinden wird ausgeprägter und deine mentale Gesundheit kann sich gegebenenfalls verbessern.

Da dir ein Ehrenamt im Lebenslauf nicht zwangsläufig bei der Jobbeschaffung hilft, solltest du dich aus Leidenschaft dafür entscheiden. Bei der Nachfrage eines Personalers nach der Intention des Ehrenamts, ist die Antwort niemals: „Ich dachte, das würde meine Chancen steigern“.

Checkliste: Ehrenamt in der Bewerbung

Um dir einen Überblick zu verschaffen, ob die Angabe sinnvoll ist und inwiefern sie dir sogar einen Vorteil verschaffen kann, haben wir eine kurze Checkliste für dich erstellt.

  • Passt das Ehrenamt zu meiner Persönlichkeit?
  • Passt das Ehrenamt zum ausgeschriebenen Job?
  • Zeige ich dadurch eine neue Seite meiner Persönlichkeit?
  • Wie wirkt die Tätigkeit auf Außenstehende / Personaler?
  • Wird Engagement in diesem Bereich gesellschaftlich geschätzt / akzeptiert?

Lassen sich die obigen Fragen positiv beantworten, kannst du sicher sein, dass die Tätigkeit ein großes Plus in deiner Bewerbung ausmachen wird. Falls die Checkliste nicht erfüllt wird, kann eine generelle Angabe im Lebenslauf dennoch sinnvoll sein. Du solltest im Vorstellungsgespräch darauf eingehen können, im Bewerbungsschreiben ist es bei mangelnder Relevanz für die Stelle jedoch überflüssig. Außerdem sollte es nicht mehr als eine Zeile im Lebenslauf einnehmen und keine eigene Kategorie bekommen. Die ausführliche Beschreibung deiner Täten ist hier überflüssig.

Ehrenamt im Bewerbungsgespräch und im Job

Du musst bei der Angabe bestimmter ehrenamtlicher Arbeiten im Lebenslauf auf Fragen im Bewerbungsgespräch gefasst sein und diese überzeugend beantworten können. Dein Interesse an der Arbeit und die Intention dahinter sollte aufrichtig und deutlich zu erkennen sein. Ansonsten kann das ganz schnell das Aus des Bewerbungsprozesses für dich bedeuten. Arbeite am besten auch hier eine Verbindung zwischen Job und Ehrenamt heraus, mit dem du die Personaler überzeugen kannst. Stelle eine Verbindung zwischen den Fähigkeiten und Erfahrungen aus deinem sozialen Engagement und den Kompetenzen, die für das Unternehmen wichtig sind, her.

Jede Nebentätigkeit, egal ob sie entgeltlich ist oder nicht, muss dem Arbeitgeber gemeldet werden und kann infolgedessen von diesem genehmigt oder abgelehnt werden. Handelt es sich um eine Konkurrenztätigkeit oder schränkt sie dich als Arbeitnehmer im Hauptjob ein, kann dies eine Genehmigung verhindern. Ansonsten sollte dein Arbeitgeber nichts Großartiges gegen soziales Engagement einzuwenden haben. Sprich dein Anliegen am besten direkt im Vorstellungsgespräch an.