Was ist ein Online-Vorstellungsgespräch?

Ein Online-Vorstellungsgespräch ist wie der Name schon sagt, ein Bewerbungsgespräch, das online stattfindet. Die Unternehmen nutzen bei einem Live-Interview eine Software und rufen die Bewerber per Videochat an, um dann ein Face-to-Face Interview durchzuführen – nur eben digital.

Darüber hinaus existieren noch weitere Formen des Online-Vorstellungsgesprächs:

  • Das zeitversetzte Interview

Hier führt das Unternehmen nicht persönlich und live ein Interview mit dir, sondern schickt dir vorab einige Fragen, die du per Videoaufnahme beantworten musst. Außerdem ist es möglich, dass die Fragen automatisch auf dem Bildschirm angezeigt werden, auf die du spontan reagieren und antworten musst. Die aufgenommenen Antworten werden anschließend dem Personaler zugeschickt, der sich diese in aller Ruhe anschauen kann. Dazu musst du dir in der Regel nur ca. 15 Minuten Zeit nehmen, pro Frage hast du für deine Antwort meistens nur wenige Minuten Zeit.

Deine Vorteile: Du musst dich nur auf die Fragen eines Personalers vorbereiten und musst dir keine Gedanken über eigene Fragen, eine Terminvereinbarung, etc. machen.

  • Der Video-Pitch

Bei einem Video-Pitch geht es darum, dass du mit deiner Selbstpräsentation überzeugst. Diese Form des Online-Vorstellungsgespräch wird gerne von Unternehmen anstelle des Motivationsschreibens genutzt. Hier ist eine intensive Vorbereitung unabdingbar, da du nur 30-60 Sekunden Zeit hast, um dich optimal zu präsentieren.

Deshalb konzentriere dich auf die wichtigsten Kernfragen:

  1. Wieso bewerbe ich mich für den Job?
  2. Was waren die wichtigsten und relevantesten Stationen in meinem Lebenslauf?
  3. Welche Fähigkeiten habe ich, die mich von anderen unterscheiden?

Deshalb mache dir im Vorfeld Gedanken und Notizen zu deinen Antworten und übe den Pitch vor deiner Familie oder deinen Freunden.

Vor- und Nachteile eines Online-Bewerbungsgesprächs

Online-Vorstellungsgespräch Vor- und Nachteile

Das Online-Interview hat einige Vorteile, doch die Nachteile solltest du nicht unterschätzen. Viele kennen bisher nur die herkömmlichen Gespräche, bei denen du zum Unternehmen gehst und dich persönlich vorstellst.

  • Die digitale Version kann insbesondere für weniger technikaffine Bewerber sehr ungewohnt und neu sein. Falls du dazu gehörst, bitte jemandem in deinem Umfeld um Hilfe.
  • Ein weiterer Nachteil ist die Möglichkeit des Versagens der Technik. Damit das nicht passiert, zeigen wir dir unten im Abschnitt „Welche Vorbereitungen sollte ich treffen?“, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen.
  • Nonverbale Signale machen über die Hälfte der Kommunikation aus und sind für den Gesamteindruck einer Person wichtig. Bei einem Videocall ist es logischerweise schwierig, diese Signale wahrzunehmen. Ebenfalls fällt beispielsweise der Smalltalk zur Anreise weg, der normalerweise die Atmosphäre am Anfang eines Gesprächs lockert.
  • Außerdem kannst du dir kein genaues Bild vom Unternehmen machen. Zum Beispiel können die Umgebung und die Art des Empfangs dir einen Eindruck des Betriebs vermitteln. Vor Ort kannst du besser entscheiden, ob du dich dort wohlfühlen würdest oder eher nicht.
Auf der anderen Seite existieren jedoch auch viele Vorteile:
  • Du musst nicht zum Unternehmen fahren (das ist vor allem entspannt, wenn dieses weit vom Wohnort entfernt ist) und kannst das Gespräch ganz flexibel von jedem Ort der Welt führen, solange eine stabile Internetverbindung vorliegt.
  • Ebenfalls befindest du dich in einer gewohnten Umgebung, in der du dich wohlfühlst. Das hilft dir, dich mit deinem ganzen Selbstbewusstsein zu präsentieren.
  • Außerdem ist die Zeit- und Kostenersparnis ein enormer Vorteil für Unternehmen und Bewerber. Die Zeit, die du für die Hin- und Rückfahrt aufbringen müsstest, sparst du genauso wie die Kosten für Zugtickets, Benzin, etc.
  • Insgesamt gesehen ist das Online-Vorstellungsgespräch mit wenig Aufwand verbunden, da du nur wenige technische Voraussetzungen aufbringen musst.

Du siehst, es gibt nicht nur Vorteile. Allerdings entscheidet am Ende sowieso das Unternehmen, welches Format es für das Auswahlverfahren verwendet. Manchmal kannst du entscheiden, ob du ein persönliches Gespräch vor Ort bevorzugst oder lieber ein Live-Interview machen möchtest. Dann kannst du die Vor- und Nachteile abwägen und entscheiden, mit welcher Form du dich wohler fühlst.

Welche Vorbereitungen sollte ich treffen?

Auch wenn der Aufwand gering ist, müssen einige Vorbereitungen für das Interview getroffen werden. Dies betrifft in erster Linie die technischen Voraussetzungen und die Umgebung. Der Dresscode, inhaltliche Fragen, etc. überschneiden sich mit einem herkömmlichen Bewerbungsgespräch.

Technische Voraussetzungen

  • Internetverbindung

Das wichtigste ist eine stabile Internetverbindung, ansonsten kommt es zu Störungen und Unterbrechungen. Wenn du in einem Haushalt mit mehreren Personen lebst, bitte sie darum, dass sie das WLAN während des Gesprächs nicht nutzen. Ebenfalls solltest du keine Downloads starten, denn diese verlangsamen ebenfalls deine Internetgeschwindigkeit. Verwende deshalb ein LAN-Kabel oder halte dich in der Nähe eines Routers auf, um eine sehr gute Signalstärke zu empfangen.

  • Software

In der Einladung zum Vorstellungsgespräch wird dir die Software (z. B. Microsoft Teams, Zoom, Skype, etc.) mitgeteilt, mit der das Interview stattfinden wird. Stelle sicher, dass du dieses Programm schon vorher herunterlädst und ausprobierst. Mache dich mit den Funktionen vertraut und lege, falls nötig, ein Nutzerkonto an.

Mirko Bettenhausen

„Verwende unbedingt ein seriöses Profilbild, einen passenden Profilnamen und eine vertrauenswürdige E-Mail-Adresse. Es lohnt sich, ein neues Nutzerkonto zu erstellen, damit Freunde dich nicht während des Gesprächs anrufen und stören können.“

Mirko Bettenhausen Fachautor von Bewerbung.net

  • Ton- und Kameraqualität

Überprüfe in einem Testlauf die Ton- und Kameraqualität deines Geräts. Meistens ist das Mikrofon deines Endgeräts ausreichend. Für eine optimale Tonqualität ist ein Headset, das Hintergrundgeräusche verhindert, empfehlenswert.

Ebenfalls solltest du die Qualität deiner Webcam kontrollieren. Auch hier reicht meistens die Kamera an deinem Laptop aus. Ist dies nicht der Fall, solltest du dir eine mobile hochauflösende Kamera holen, die ein scharfes und kontrastreiches Bild zeigt. Befestige diese an der Oberseite deines Bildschirms, um dem Personaler direkt in die Augen schauen zu können.

Halte ca. einen Meter Abstand zur Kamera und sitze leicht nach vorne geneigt. Dadurch ist dein Oberkörper gut zu sehen und deine Gestik erkennbar. Wenn du sprichst, schaue direkt in die Kamera anstatt auf den Bildschirm. Spricht der Recruiter mit dir, kannst du ebenfalls auf den Monitor schauen und dir ggf. Notizen machen.

Umgebung einrichten

Mache dir bereits im Vorfeld Gedanken über deine Umgebung und richte einen störungsfreien Ort ein. Hier spielen der Hintergrund, die Beleuchtung sowie Ruhe eine zentrale Rolle.

  • Hintergrund

Das Hauptaugenmerk sollte im Vordergrund auf dir liegen. Deshalb achte darauf, dass der Personaler nicht durch deinen Hintergrund abgelenkt wird. Wähle einen neutralen Ort, damit sich dein Gegenüber nur auf dich konzentrieren kann.

Vorteilhaft sind hier weiße oder helle Wände oder Bücherregale, die Fachliteratur anstelle kontroverser Bücher enthalten. Kontrolliere vorher, ob sich im Bildausschnitt Plakate oder andere Dinge befinden und entferne sie.

  • Beleuchtung

Eine passende Beleuchtung ist ebenfalls wichtig. Da Tageslicht dir am besten schmeichelt, richte deinen Arbeitsplatz vor einem Fenster ein. Wenn dies nicht möglich ist, suche dir geeignete Lichtquellen. Achte darauf, dass du nicht geblendet wirst, im Schatten liegst oder nicht mehr erkennbar bist.

  • Lautstärke

Bohrende Nachbarn oder saugende Mitbewohner sind während eines Bewerbungsgesprächs nicht gerade vorteilhaft. Deshalb sorge dafür, dass du einen ruhigen und störungsfreien Raum findest und gebe ggf. deinen Mitmenschen Bescheid.

Angemessene Kleidung

Auch wenn nur der Oberkörper zu sehen ist, ist dringend davon abzuraten, sich nur zur Hälfte seriös zu kleiden. Es wird unangenehm, falls du doch einmal aufstehen musst und dann deine Jogginghose zum Vorschein kommt. Mit einem Business-Outfit siehst du nicht nur professioneller aus, sondern du fühlst dich auch selbstbewusster, um die nötige Spannung in der eigenen Wohnung aufzubauen.

Ein gepflegtes Äußeres vermittelt dem Interviewer, dass du das Gespräch ernst nimmst. Denke daran, dich der Position, Branche und dem Unternehmen angemessen zu kleiden. Eine ordentliche Frisur sowie dezentes Makeup sind ebenfalls Pflicht. Achte außerdem darauf, dass du auf Pünktchen und Karos verzichtest, da diese auf dem Bildschirm für ein Flimmern sorgen.

Was noch zu beachten ist und weitere Informationen findest du in unserem Beitrag: „Die perfekte Kleidung für das Vorstellungsgespräch“.

Ablauf und Inhalt des Online-Vorstellungsgesprächs

Zunächst kann sich die Dauer wie beim herkömmlichen Interview von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden. Manchmal dauert es lediglich 20 Minuten, wenn der Personaler zum Beispiel nur Rückfragen zum Lebenslauf hat, in anderen Fällen kann das Gespräch jedoch auch bis zu 90 Minuten dauern.

Da du meistens eine Termineinladung per E-Mail zugeschickt bekommst, kannst du schon vorab sehen, für welche Uhrzeit und Dauer der Videocall angesetzt ist. Plane dennoch genügend Puffer ein, falls es mal länger dauern sollte. Wenn du keine Einladung bekommen hast, frage einmal telefonisch bei deinem Ansprechpartner nach. Ansonsten kannst du davon ausgehen, dass der Recruiter das Videointerview zur ausgemachten Uhrzeit startet.

Online-Vorstellungsgespräch Ablauf

Grundsätzlich läuft die digitale Konversation inhaltlich genauso ab wie beim klassischen Bewerbungsgespräch. Dennoch fällt der Smalltalk am Anfang weg, sodass das Gespräch nach der Begrüßung direkt mit der Vorstellung des Personalers und des Ablaufs startet.

Häufig bist du danach mit der Vorstellung deiner Person dran, sodass du mit deiner Selbstpräsentation startest. Erläutere die grundlegendsten Punkte aus deinem beruflichen Werdegang und verdeutliche, wieso du der perfekte Kandidat für die Stelle bist. Nimm dabei stets Bezug zum Unternehmen, dem Job und deinen Fähigkeiten.

Anschließend startet meistens die Fragerunde des Personalers. Welche fachliche Qualifikation bringst du mit? Wieso möchtest du ausgerechnet bei dem Unternehmen arbeiten? Welche Stärken und Schwächen besitzt du?

Diese und weitere Standardfragen sind Teil eines jeden Vorstellungsgesprächs, deshalb bereite dich im Vorfeld gut darauf vor. Antworte stets souverän und selbstbewusst und bewahre einen kühlen Kopf bei Stressfragen.

Danach hast du die Chance, dein Interesse mit deinen eigenen Fragen zum Unternehmen, zum Job etc., zu verdeutlichen. Die relevanten Fragen kannst du dir vor dem Gespräch notieren und zum Schluss stellen. Falls es noch nicht zur Sprache kam, kannst du dich ruhig nach dem weiteren Bewerbungsprozess erkundigen.

Und schon ist es geschafft: Der Personaler verabschiedet sich und du solltest dich bei ihm für seine aufgebrachte Zeit bedanken. Danach heißt es abwarten und auf eine positive Rückmeldung nach dem Gespräch hoffen!

Checkliste für ein erfolgreiches Online-Interview

Wenn du diese abschließenden Tipps beherzigst, wird dein Online-Vorstellungsgespräch zum Erfolg!

  • Technische Voraussetzungen schaffen (z. B. eine gute Internetverbindung sicherstellen)
  • Ruhigen Ort einrichten (z. B. mit neutralem, hellem Hintergrund)
  • Inhaltlich gut vorbereiten (z. B. typische Fragen)
  • Passenden Dresscode anziehen (z. B. einen Hosenanzug)
  • Notizen und Lebenslauf bereitlegen (nicht ablesen, aber als Stütze nutzen)
  • Wichtiges notieren (z. B. Informationen zum Job)
  • Testphase durchlaufen (z. B. die Ton- und Kameraqualität testen)
  • 10 Minuten vorher in den Call gehen (Unpünktlichkeit ist stets ein No-Go)
  • Ruhe bewahren (Gesprochenes kommt zeitversetzt an)
  • Deutlich und frei sprechen (Stimme kann verzerrt sein)
  • In die Augen bzw. Kamera schauen (wirkt trotz Distanz persönlicher)
  • Mimik und Gestik nutzen (deshalb nicht zu nah am Laptop sein)

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