Voraussetzungen für das Arbeiten im Ausland

Auslandserfahrung gilt in vielen Branchen als ein Muss, egal ob in Form eines Auslandssemesters, eines Praktikums, eines ehrenamtlichen Jahres oder einer längeren Festanstellung. Auch für viele erfahrene Arbeitnehmer ist der Auslandsaufenthalt attraktiv, da er viele Chancen, neue Herausforderungen und vielfältige Möglichkeiten bietet.

Kein Wunder also, dass rund 1,9 Millionen Deutsche im Ausland arbeiten, nicht selten in hohen Positionen. (Mehr dazu hier.)
Laut Statista wanderten im Jahr 2017 rund 250.000 Deutsche aus. Anführendes Zielland ist dabei Rumänien mit rund 150.000 Auswanderern. Aber auch die USA (rund 30.000) und die Schweiz (22.000) sind beliebte Ziele (Quelle: Anzahl der Auswanderer aus Deutschland nach Zielländern im Jahr 2017).

Folgende Dinge musst du beachten, wenn du im Ausland arbeiten willst:

Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in anderen Ländern

In den meisten Ländern benötigt man eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, um ein Beschäftigungsverhältnis eingehen und einen Wohnsitz anmelden zu können. Wie aufwendig die Beantragung dieser Genehmigungen ist, hängt davon ab, aus welchem Land man kommt, in welches Land man geht und wie der aktuelle berufliche Status lautet. Ein entscheidender Vorteil als EU-Bürger ist die Tatsache, dass man das Recht besitzt, sich in einem anderen Mitgliedsland der Europäischen Union uneingeschränkt aufhalten und einen Beruf dort uneingeschränkt ausüben zu können.

Die einzige Ausnahme entsteht im Falle von Arbeitslosigkeit. Bei einer Arbeitslosigkeit von über 6 Monaten darf die Regierung deiner Wahlheimat eine Prüfung der Aufenthaltsgenehmigung vornehmen. Außerdem ist es wichtig, dass du dich sowohl bei deiner einheimischen als auch bei deiner neuen Regierung meldest.




Dahingegen ist der Aufenthalt in vielen außereuropäischen Ländern, wie z.B. den USA, Australien, Neuseeland, China oder Kanada beschränkt und erfordert verhältnismäßig viel Aufwand. Häufig werden Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen sogar nur dann erteilt, wenn du bereits einen neuen Arbeitgeber gefunden hast und einen gültigen Arbeitsvertrag vorlegen kannst.

In jedem Fall ist die Genehmigung jedoch an strikte Bedingungen geknüpft und bei Nicht-Einhaltung kannst du direkt des Landes verwiesen werden. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, sich vorab zu erkundigen, welche Anforderungen gelten. Der neue Arbeitgeber kann da eine gute Anlaufstation sein, weil ihm die landestypischen Gegebenheiten bekannt sind.

Um eine valide Auskunft für das jeweilige Land zu erhalten, ist es zusätzlich zwingend notwendig, sich an die entsprechende Ländervertretung in Deutschland, also das Konsulat oder die Botschaft, zu wenden.

TIPP Neben der Tatsache, dass viele Deutsche von einem Auslandsaufenthalt träumen, sind deutsche Arbeitskräfte im Ausland auch sehr beliebt. Das liegt vor allem daran, dass das Ausbildungssystem in Deutschland als eines der besten gilt.

Soziale Absicherung im Ausland: Versicherungen

Du musst dich in jedem Fall rechtzeitig vor Abreise mit dem Thema Sozialversicherungen auseinanderzusetzen. Hierzu zählen vor allem die Haftpflichtversicherung, Auslandskrankenversicherung, Unfallversicherung und die Arbeitslosenversicherung.

Auch hier kommt es wieder darauf an, aus welcher Situation heraus der Arbeitnehmer ins Ausland geht. Hält es sich um eine befristete Entsendung einer deutschen Firma, so bleibt der inländische Versicherungsschutz bestehen. Bei langfristigen Aufenthalten müssen in der Regel Tarifwechsel vorgenommen werden oder zu einer der ausländischen Versicherungen gewechselt werden.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die EU versucht, möglichst wenige Nachteile für Berufstätige im Ausland aufkommen zulassen. Durch Abkommen soll so gesichert werden, dass die sozialen Rechte des jeweiligen Herkunftslandes des Arbeitnehmers nicht verletzt oder eingeschränkt werden. Es empfiehlt sich dennoch, vor der Reise in das neue Land einen Fachexperten zu kontaktieren, welcher auf diese Rechtsfragen spezialisiert ist.

Bewerbung für Arbeit im Ausland

Arbeiten im Ausland - Aufenthaltsgenehmigung

Voraussetzung für eine Aufenthaltsgenehmigung ist in der Regel eine Festanstellung.

Bleibst du bei deinem Unternehmen, wechselst nur an einen Standort im Ausland, ist der Bewerbungsprozess häufig einfacher.

Am wenigsten Aufwand macht ein Jobwechsel ins Ausland, wenn dein Arbeitgeber aktiv auf dich zugeht. Bewirbst du dich auf eine intern ausgeschriebene Stelle, ist zumindest mal eine interne Bewerbung nötig. Einige möchten jedoch nicht nur ihren Wohnort wechseln, sondern auch den Arbeitgeber. Sowohl bei der Arbeitssuche als auch bei der Bewerbung im Ausland gibt es einiges zu beachten.

Stellenangebote im Ausland

Für Arbeitssuchende gibt es eine Vielzahl an Anlaufstellen, um den Traum vom Job im Ausland zu verwirklichen. Internationale Jobs sind in vielen Jobbörsen oder -suchmaschinen zu finden. Bei der Suche nach der passenden Stelle kommt es aber nicht nur darauf an, das richtige Angebot zu finden, sondern ebenso, den Kontakt zum Unternehmen herzustellen. Die besten Optionen für deutsche Jobsuchende im Ausland sind:

  • Jobbörsen. Sie bieten den wohl besten Überblick über das Angebot ausgeschriebener Jobs im Ausland.
  • Die Karrierenetzwerke XING (deutschsprachiger Raum/D-A-CH) und LinkedIn (englischsprachiger Raum). (Durch die Erstellung von Profilen können sich User als Arbeitskraft präsentieren. Hier können sie beispielsweise angeben, dass sie sich zurzeit auf Jobsuche befinden bzw. nach was für einem Job sie suchen.)
  • Die Bundesagentur für Arbeit.
  • Die europäische Dokumentationszentren bieten des Weiteren eine Vielzahl an Informationen rund um das Thema „Arbeiten im Ausland.“
  • Auch die Industrie- und Handelskammer in Deutschland oder im Zielland bieten die Möglichkeit, Vakanzen im Ausland zu finden.




Die Bewerbungsunterlagen

Es ist von Land zu Land unterschiedlich, welche Normen, Regeln, Details und Gepflogenheiten für das Motivationsschreiben, den Lebenslauf oder das Bewerbungsfoto gelten. Es ist davon abzuraten , die deutschen Bewerbungsunterlagen lediglich in die Landessprache des Ziellandes zu übersetzen. Vielmehr sind es des Öfteren die kleinen Details, welche letzten Endes über eine Zu- oder Absage für die vakante Stelle im Ausland entscheiden.

Welche Regeln in welchem Land gelten haben wir dir in unserem Beitrag über die Bewerbung im Ausland zusammengefasst.

TIPP Es ist möglich, sich einen Europass-Lebenslauf erstellen zu lassen, welcher in ganz Europa anerkannt wird. Auf der Website des Europäischen Zentrums für die Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP) können Bewerber so ihre Qualifikationen regelkonform und in ganz Europa einheitlich darstellen, um mögliche Formfehler so zu vermeiden.

Job im Ausland – Rechtliche Lage

Steuern sind ein sehr wichtiges Thema, zu dem der Arbeitnehmer sich im Vorlauf unbedingt informieren muss. Hier ist es ebenfalls entscheidend, wie lange du dich im Ausland aufhalten wirst und ob du von einem deutschen Arbeitgeber entsendet wurdest oder bei einem Arbeitgeber im Ausland angestellt bist.

Grundsätzlich gilt es folgende 3 Punkte zu beachten:

  1. Internationale Steuerregelungen: Hierzu zählen unter anderem das OECD-Musterabkommen und das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA).
  2. Die unbeschränkte Steuerpflicht auf den Wohnsitz:
    • Es ist entscheidend, ob nach Wohnsitzwechsel weitere inländische Besteuerungsmerkmale vorliegen
    • Du musst prüfen, ob schon vor dem Wohnsitzwechsel ausländische Besteuerungsmerkmale bestanden
    • Zuletzt solltest du klären, wie hoch die Besteuerung des Wohnsitzwechsels im Jahr ausfällt
  3. Mögliche Konsequenzen, welche sich im Jahr der Rückkehr ergeben.

Du solltest vor deinem Wechsel ins Ausland in jedem Fall einen Steuerberater aufsuchen. Dieser kann die genaue Informationen und Empfehlungen geben.

Deutsche Rente im Ausland

Rentenansprüche entstehen in der Regel je nach Erwerbsdauer im jeweiligen Land. Wenn du eine gewisse Zeit in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt hast, geht dein Anspruch auf Rente nicht verloren, nur weil du im Ausland lebst oder gelebt hast. Der Umfang der Auszahlung ist jedoch von verschiedenen Faktoren abhängig.

Darüber hinaus kann ein weiterer Rentenanspruch entstehen, wenn du eine gewisse Zeit im Ausland gearbeitet und dort in die Rentenversicherung eingezahlt hast.

Auch bezüglich des Anspruchs auf Rente solltest du dich auf jeden Fall mit einem Experten austauschen.

STIFT Allgemeine Informationen zu diesem Thema findest du bei der Deutschen Rentenversicherung. Es empfiehlt sich zudem, den Versicherungsträger bis spätestens drei Monate vor dem Datum X der Auswanderung über das neue Heimatland zu informieren.

Arbeitsrecht im Ausland

Jedes Land hat sein eigenes Arbeitsrecht. Innerhalb der Europäischen Union gibt es große Überschneidungen, in außereuropäischen Ländern kann das jedoch ganz anders aussehen. Insbesondere bezüglich Arbeitslosengeld und Kündigungsschutz solltest du dich im Vorfeld gut informieren. Darüber hinaus solltest du ebenfalls einen Experten zu Rate ziehen, wenn es um deutsches Arbeitslosengeld während oder nach dem Aufenthalt im Ausland geht.

TIPP Vermeide es auf jeden Fall, ohne gültigen, unterzeichneten Arbeitsvertrag im Ausland zu arbeiten, sonst hast du keinerlei Dokumente oder Beweise für die Ämter.

Warum im Ausland arbeiten? Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Du verbesserst deine Sprachkenntnisse. (Zumindest die Englischkenntnisse werden perfektioniert, wenn nicht sogar eine weitere Sprache erlernt.)
  • Dein Lebenslauf wird erweitert und verbessert
  • Nicht selten erhöhst du deine Jobchancen enorm und kannst so deine Karriere vorantreiben
  • Du kannst deine beruflichen Ziele mit deinem persönlichen Interesse verbinden
  • Du erweiterst deinen Horizont
  • Du hast die Chance, unabhängiger und selbstständiger zu werden
  • Womöglich kannst du dein Einkommen verbessern
  • Der Aufbau eines globalen Netzwerks wird ermöglicht

Nachteile

  • Das Leben im Ausland mag als Kulturschock empfunden werden
  • Der Lebensstandard kann niedriger sein als es in Deutschland der Fall ist
  • Häufig muss mit viel Bürokratie gerechnet werden (Arbeitserlaubnis, Ämter, Versicherungen, Visumsantrag, etc.)
  • Das (langfristige) Bleiberecht kann problematisch sein.
  • Bei Bewerbungsgesprächen können evtl. sehr hohe Reisekosten anfallen. (Nicht jedes Unternehmen akzeptiert Telefonate oder Skype-Gespräche.)
  • Die Arbeit im Ausland wird nicht für die Rentenversicherung angerechnet, wenn du die Sozialversicherungsbeiträge nicht eigenständig einzahlst.
  • Der Soziale Faktor (Freunde, Familie oder Partner müssen häufig zurückgelassen werden. Oder aber es müssen im neuen Land Schulen etc. gefunden werden).

Geeignete Studiengänge und Berufe

„Irgendwann will ich auf jeden Fall mal ins Ausland gehen.“ Ein Satz, den man immer öfter hört. Vor allem, wenn man Schüler danach fragt, was sie beruflich machen wollen. Aber was muss man studieren oder lernen, um später im Ausland arbeiten zu können?

Grundsätzlicher hat jeder die Chancen darauf, einmal im Ausland zu arbeiten. Jedoch finden sich bestimmte Berufsfelder, welche im Ausland besonders gefragt sind und daher eine erhöhte Chance für einen Job im Ausland mitbringen.

Es ist von Land zu Land unterschiedlich, welche Berufe gerade besonders gefragt sind. In folgenden Gewerben ist es im Allgemeinen relativ einfach, ins Ausland zu kommen:

  • Gastronomie
  • Hotelgewerbe
  • Tourismus
  • Baugewerbe und Handwerk
  • IT-Branche
  • Management, Unternehmensberatung und Finanzsektor (BWL-Studium)
  • Medizinische Berufe
  • Pädagogische Berufe (z.B. Lehrer)

Die jeweilige Aufenthaltsdauer kann dabei stark variieren. Für einige ist das Ziel, dauerhaft im Ausland zu bleiben, andere – insbesondere in soziales Berufen – wollen nur eine gewisse Zeit eine ehrenamtliche Tätigkeit als Helfer ausführen. Auch bei ehrenamtlichen Tätigkeiten gibt es jedoch wieder besondere Regelungen, wenn diese über einen Zeitraum von mehreren Jahren ausgeführt werden.

In anderen Bereichen ist es hingegen etwas schwieriger, im Ausland zu arbeiten. Ein sehr gutes Beispiel dafür sind juristische Tätigkeiten, da die Ausbildung immer auf Basis des Gesetzes des Ausbildungslandes beruht.

Darüber hinaus kann es schwer sein, sich im Ausland direkt selbstständig zu machen, da einem häufig die nötigen Kontakte und landesspezifischen Kenntnisse fehlen.




Checkliste: Arbeiten im Ausland

Du bist dir unsicher, ob der Jobwechsel ins Ausland wirklich was für dich ist und du die grundlegenden Voraussetzungen erfüllst? Stelle dir diese Fragen:

  • Bist du aufgeschlossen, weltoffen und kontaktfreudig?
  • Sind deine Sprachkenntnisse gut bis sehr gut?
  • Kannst du die Kriterien für die Genehmigung einer Arbeitserlaubnis erfüllen?
  • Ist deine Gesundheit einwandfrei, ebenso wie dein Strafregister?
  • Hast du ein finanzielles Polster und kannst dir den Umzug in das neue Land leisten?
  • Hast du kein Problem damit, eine gewissenhafte Planung zu erstellen und zu verfolgen?
  • Besitzt du eine abgeschlossene Berufsausbildung, drei Jahre Berufserfahrung und fundierte fachliche Kenntnisse? (Im Falle einer langfristigen Festanstellung)

Wir haben dir in diesem kostenlosen Download Dokument nochmal die wichtigsten Eigenschaften zusammengefasst, die du aufweisen solltest, um zum Arbeiten ins Ausland zu gehen.

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