Outplacement Beratung

In der heutigen Zeit werden Arbeitsverhältnisse auf Lebenszeit immer seltener. Ein Stellenwechsel erfolgt daher nicht immer ganz freiwillig. In der modernen Gesellschaft, geprägt von Globalisation und dem stetigen Wandel, sind auch Arbeitgeber gezwungen, sich diesem anzupassen. Kündigungen von Mitarbeitern gehören dazu. Der Trennungsprozess sollte sich so gestalten, dass beide Seiten davon profitieren. Eine Outplacement Beratung kann dabei helfen.

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Was ist Outplacement?

Der englische Begriff Outplacement (dt. Außenvermittlung) steht für eine von Unternehmen finanzierte Dienstleistung für ausscheidende Mitarbeiter. Unternehmen setzen eine Outplacement Beratung ein, um eine zukünftige Arbeitslosigkeit des Mitarbeiters zu vermeiden und für ihn eine neue berufliche Aufgabe zu finden. Wenn möglich, noch vor dem Ablauf der Kündigungs- oder Freistellungsfristen.

Gründe für Kündigungen seitens des Unternehmens

Natürlich können nicht nur Arbeitnehmer eine Kündigung bei ihrem Arbeitgeber einreichen. Das geht auch umgekehrt. Die Gründe, warum ein Unternehmen sein Personal reduzieren und somit entlassen muss, können sehr unterschiedlich sein. Darunter fallen beispielsweise Firmenübernahmen, Insolvenzen des Unternehmens oder auch die Verlagerung von Arbeitsplätzen in andere Standorte. Absatzschwierigkeiten und Rationalisierung sind ebenfalls Gründe für die Entlassung von Mitarbeitern.

Auftraggeber und Zielgruppe von Outplacement

Eine Outplacement Beratung wird in den meisten Fällen vom Unternehmen selbst organisiert. Das Unternehmen vermittelt damit nach innen und nach außen, dass es an einem fairen Trennungsprozess von seinen Mitarbeitern interessiert ist. Die Zielgruppe des Outplacements bilden die Mitarbeiter, denen eine Entlassung bevorsteht. Dabei kann es sich um einzelne Mitarbeiter handeln, eine ganze Abteilung oder auch um einzelne Standorte.

Arten des Outplacements

Einzeloutplacement

Bei dem Einzeloutplacement wird dem Mitarbeiter ein persönlicher Berater zur Seite gestellt. Es ist somit möglich, in der Beratung auf die individuellen Bedürfnisse des Mitarbeiters einzugehen. Diese Einzelberatungen finden häufig in den Räumlichkeiten des Outplacement Unternehmens statt.

Ein Einzeloutplacement kann vom Unternehmen für den Mitarbeiter organisiert werden. Alternativ wird dem Mitarbeiter ein gewisses Budget zur Verfügung gestellt, mit dem er ein Unternehmen zur Beratung auswählen kann. Andererseits kann sich ein Mitarbeiter aber auch auf eigene Kosten nach einem Einzeloutplacement umsehen. Der Mitarbeiter kann hier die Art und den Umfang der Beratung selbst bestimmen.

Gruppenoutplacement

Sind gleich mehrere Mitarbeiter von einer Kündigung betroffen, so ist ein Gruppenoutplacement möglich. Unternehmen entscheiden sich immer dann dafür, wenn sie sich innerhalb  kurzer Zeit von vielen Mitarbeitern trennen müssen. Mehrere Mitarbeiter werden dann von einem oder mehreren Beratern gleichzeitig betreut. Inhalt solcher Beratungen sind mehrtägige Seminare und Workshops um die Mitarbeiter auf ihre neue Situation vorzubereiten. Damit ein Gruppenoutplacement funktioniert, sollte es sich bei der Gruppe um eine möglichst homogene Gruppe handeln. Hier ähneln sich die Probleme und Interessen der Klienten.

Meist enthält ein Gruppenoutplacement auch die Möglichkeit, ein bestimmtes Stundenkontingent an Einzelberatung für die Mitarbeiter durchzuführen. Hier kann der Berater dann zuzüglich noch auf die persönlichen Fragen der jeweiligen Mitarbeiter eingehen.

Inhaltlich haben Einzeloutplacement und Gruppenoutplacement das gleiche Ziel: Ihre Klienten zurück in ein Beschäftigungsverhältnis zu bringen.

Ablauf des Outplacements und der Beratung

Erhalten Mitarbeiter nach langjähriger Beschäftigung plötzlich eine Kündigung, so erleiden sie häufig einen Schock. Diese hält meist über einen längeren Zeitraum an und es fällt ihnen schwer, positiv in die Zukunft zu blicken.

Hinzu kommt das Unwissen über den aktuellen Stand auf dem Arbeits- und Bewerbungsmarkt. Zwar können verschiedene Karriere-Portale wie bewerbung.net oder Bücher helfen, sich darüber zu informieren, jedoch stellen sich die Mitarbeiter noch weitere Fragen.

Wie wird ihre berufliche Zukunft weitergehen und wie wollen sie ihre Zukunft gestalten? Welches Unternehmen braucht meine erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen? Welches Gehalt kann ich in einem Vorstellungsgespräch verlangen? Und überhaupt, wie präsentiere ich mich in einem Vorstellungsgespräch? Und was kann ich tun, wenn ich keinen Erfolg bei der Jobsuche in meinem gewünschten Bereich habe?

All diese Fragen beziehen sich auf die individuelle Situation des Mitarbeiters und es bedarf daher auch einer persönlichen Beratung. Und hier kommt der Outplacement Berater ins Spiel. Er ist Ansprechpartner für die persönlichen Fragen des Mitarbeiters und hilft ihm dabei, Antworten zu finden. Dieser erlangt dadurch sein Selbstvertrauen in seine Stärken und seine berufliche Zukunft zurück.

Der Berater analysiert anfänglich die gesamtheitliche Situation seines Klienten und schätzt so seine Karriereperspektiven auf dem Arbeitsmarkt ein. Danach folgt die Herausstellung der persönlichen und beruflichen Qualifikationen des Klienten. Das Selbstvertrauen des Mitarbeiters wird gestärkt, indem er auf seine Stärken aufmerksam gemacht wird. Daraufhin entwickeln der Berater und sein Klient eine auf ihn abgestimmte Bewerbungsstrategie, auf die sich der Klient bei der Bewerbung um einen neuen Arbeitsplatz konzentriert. In der Bewerbungsphase wird der Mitarbeiter auch bei der Erstellung neuer Bewerbungsunterlagen durch den Berater unterstützt.

Neben den Bewerbungsunterlagen gehören auch die Beurteilung von Stellenangeboten sowie die Vorbereitung  auf Bewerbungsgespräche. Auch bei der Erstellung eines neuen Arbeitsvertrages steht der Berater seinem Klienten unterstützend zur Seite.

Kosten von Outplacement

Die Kosten für eine Outplacement Beratung können ganz unterschiedliche ausfallen. Die Kosten sind abhängig von der Art des Outplacementprogramms. Es gibt eine unbefristete Beratung, Monatsprogramme oder es wird ein individuelles Beratungskontingent beschlossen. Die folgenden Größen geben einen Richtwert zu der Preisgestaltung der Outplacementkosten an und können in den Beratungsunternehmen abweichen.

Die unbefristete Beratung dauert, wie es der Name bereits vermuten lässt, so lange, bis der Mitarbeiter ein neues Arbeitsverhältnis eingegangen ist. Teilweise auch bis zum Ende der Probezeit des neuen Arbeitsverhältnisses. Diese Form der Outplacement Beratung steht in der Regel höheren Führungskräften zur Verfügung. Die Kosten liegen dabei ungefähr bei 20 bis 25 Prozent des Bruttojahreseinkommens des Klienten. Ein festgesetztes Mindesthonorar ist dabei verpflichtend. Abweichend kann die Vergütung im Einzelfall auch pauschal erfolgen. Die Kosten liegen dann je nach Stellung des Klienten bei 15.000 bis 30.000 Euro.

Neben der unbefristeten Beratung werden wie oben bereits genannt auch Monatsprogramme von Outplacement Unternehmen angeboten. Die befristeten Programme haben eine Dauer von drei, sechs oder zwölf Monaten. Aber auch individuelle Zeiträume sind möglich. Für ein dreimonatiges Beratungsprogramm für eine Fachkraft werden in etwa 5.000 Euro berechnet wohingegen ein gleich andauerndes Beratungsprogramm für Topmanager etwa 6.500 Euro kosten kann. Die Leistungen in diesen Monatsprogrammen sind nicht immer von Anfang an deutlich definiert. Bevor du also ein Angebot über ein Monatsprogramm annimmst, solltest du dich informieren, welche Leistungen geboten werden und ob diese dir überhaupt weiterhelfen.

Es besteht für Mitarbeiter ebenfalls die Möglichkeit, sich für ein Beratungskontingent mit einer individuellen Anzahl an Beratungsstunden zu entscheiden. Ein ungefährer Stundensatz liegt bei 250 bis 300 Euro, ein Tagessatz bei etwa 2.000 Euro. Ein solches Beratungsprogramm kann gerade für Klienten interessant sein, wenn der Zeitpunkt der Beratung individuell starten soll. Die Stunden können flexibel eingeteilt und je nach Bedarf genutzt werden.

Für welches Programm du dich im Endeffekt entscheidest, solltest du allerdings nicht hauptsächlich von den Kosten abhängig machen. Es ist wichtiger, dass der Berater und das Programm zu dir passen, als dass du dir das günstigste raussuchst und am Ende doch nichts davon hast.

Den richtigen Berater wählen

Auch wenn die Beratungsinhalte der Outplacement Firmen sich im Grunde ähneln, sind die Programme von unterschiedlicher Intensität und Dauer. Bevor du dich final für einen Berater entscheidest, solltest du ihn um ein Vorgespräch bitten. Prüfe, ob du dem Berater vertrauen kannst und ob er dir kompetent erscheint. Lass dir seine bisherigen Erfahrungen mitteilen und auch, auf welchem Arbeitsmarkt und in welchen Branchen er hauptsächlich tätig ist. Die Hauptfrage, die du dir Stellen solltest, sollte sein, ob der Berater qualifiziert genug ist, dir zu einem neuen Arbeitsverhältnis zu verhelfen. Falls dies nicht der Fall ist, solltest du dich weiter umschauen.

Vorteile von Outplacement für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Auch wenn Kündigungen zu vielen beruflichen Werdegängen dazugehören, sind viele Arbeitnehmer im ersten Moment enttäuscht von der Entscheidung des Unternehmens. Die richtige Outplacement Methode kann den Mitarbeitern jedoch helfen, sich beruflich neu zu orientieren und persönliche Stärken und Qualifikationen neu zu entdecken und auch zu nutzen.

Durch Outplacement wird die Chance, schnell einen neuen Arbeitsplatz zu finden, erheblich gesteigert. Lücken im Lebenslauf können vermieden werden. Im Idealfall kann eine Arbeitslosigkeit sogar ganz vermieden werden, wenn rechtzeitig mit der Outplacement Beratung begonnen wird.

Outplacement kann ebenso dafür sorgen, dass sich die Klienten darüber klar werden, ob sie ihren bisherigen Karriereweg weitergehen wollen oder ob sich ihre Interessen geändert haben. Diese Interessen können privater oder beruflicher Natur sein. Gerade nach einer Kündigung besteht die Möglichkeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen!

Vorteilig ist auch, dass du beim Erstellen deiner Bewerbungsunterlagen Unterstützung bekommst. Du wirst mit den aktuellen Anforderungen und Standards des Arbeitsmarktes vertraut gemacht. Ebenso kannst du mit Hilfe des Beraters eine Bewerbungsstrategie entwickeln, um deine Jobchancen auf dem Arbeitsmarkt zu steigern.

Unternehmen kommen im bestimmten wirtschaftlichen Situationen nicht daran vorbei, Mitarbeiter zu entlassen. Wie jedoch dieser Prozess verläuft, lässt viel über die Firmenkultur aussagen. Unternehmen sollten auch bei Entlassungen stets bemüht sein, ihr positives Image zu wahren. Steht das Unternehmen auch während des Entlassungsprozesses seinen Mitarbeitern mit sozialer Verantwortung gegenüber, so bleibt die Motivation der restlichen Mitarbeiter erhalten. Diese wissen dann, dass sie im Falle einer Kündigung gut aufgehoben sind und keine Angst vor einer Zukunft ohne Arbeit haben müssen.

Gleiches gilt für das Image gegenüber Kunden, Lieferanten und anderen Gewerkschaften. Das Unternehmen möchte ebenfalls von außen als attraktiver Arbeitgeber gesehen werden (Stichwort „Employer Branding“).

Die Kosten für Outplacement erscheinen anfangs sehr hoch. Dauerhaft profitiert dadurch jedoch nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch der Arbeitgeber. Je schneller der Klient einen neuen Arbeitsplatz findet, desto schneller können auch Restlaufzeiten von Arbeitsverträgen gekürzt und Abfindungskosten gesenkt werden.

Nachteile von Outplacement

So positiv Outplacement im Grunde klingt, es birgt auch Risiken. Unternehmen handeln bei der der Wahl der Outplacement Berater wirtschaftlich. Heißt, hier wird auf die Finanzen geachtet. Besonders für Arbeitnehmer kann das nachteilig sein, wenn diese mit dem Berater nicht harmonieren oder der Berater nicht kompetent genug ist. Dieser Punkt beeinträchtigt sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber negativ.

Besonders Arbeitnehmer sollten sich nicht allzu schnell von den Versprechen des Unternehmens blenden lassen. Bei der Outplacementstrategie gibt es schließlich keine 100 prozentige Erfolgsgarantie. Führt das Outplacement ins Leere, liegt das Risiko der Arbeitslosigkeit auf Seiten des Arbeitsnehmers. Diese sollten ebenfalls darauf achten, dass sie vertragliche oder rechtliche Sicherheiten wie Kündigungsfristen nicht verlieren.

Es kann durchaus vorkommen, dass die Kosten für eine Outplacement Beratung die einer gleichwertigen Abfindung übersteigen. Das Unternehmen hätte somit höhere Verluste zu verzeichnen.

Damit Outplacement funktioniert, müssen beide Parteien ausreichend miteinander kommunizieren. Die Grundprinzipien des Trennungsprozesses sollten Fairness und Transparenz sein, um für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein positives Ergebnis zu erzielen.

Von | 2017-11-14T17:12:47+00:00 3. November 2017|Berufsleben, Jobsuche|