Allgemeines zu Bewerbungskosten

Als Bewerbungskosten gelten nach §9 des EstG alle anfallenden Kosten bzw. Aufwendungen, die dem Erwerb, der Sicherung und der Erhaltung von Einnahmen dienen. Sie werden auch als Werbungskosten bezeichnet. Zu Bewerbungskosten zählen allerdings nicht nur Materialien, wie eine Bewerbungsmappe oder das Porto, mit dem du deine Bewerbung versendest.

Folgendes fällt unter die Kategorie Bewerbungskosten:

Bewerbungsmaterialien:

  • Mappen, Klarsichthüllen
  • Briefmaterial (Briefpapier, Briefumschläge, Briemarken)
  • Designs für die Bewerbung
  • Druckerpatronen
  • Kopien
  • Schreib- und Klebeutensilien (Stifte, etc.)
  • Bewerbungsservices

Eigenwerbung /-präsentation:

Reisekosten:

  • Anreise zum Vorstellungsgespräch (Entfernungspauschale von 0,30 Euro pro Kilometer, maximal 4.500 Euro im Jahr oder Gesamtbetrag mittels Beleg durch Fahrkarten / Quittungen)
  • Übernachtungskosten
  • Stadtpläne
  • Verpflegungspauschalen (8 – 24 Std. Abwesenheit: 12 Euro, über 24 Std. Abwesenheit: 24 Euro)
TIPP Falls du mit einem Flugzeug oder der ersten Klasse reisen möchtest, muss die Kostenübernahme explizit abgeklärt werden! Hier ist die Erstattung nicht zwangsläufig einforderbar.

Recherche & Dienstleistung:

  • Fachliteratur (Bücher, Zeitschriften, Magazine, Ratgeber)
  • Kurse / Seminare zum Thema Bewerbung
  • Zeugnisbeglaubigung
  • Wochenendausgaben von überregionalen Tageszeitungen, die bekannt für einen großen Stellenmarkt sind, z.B. die FAZ oder die Süddeutsche Zeitung
  • Anteilig: Internetzugang, Computer und Telefonkosten
  • Bewerbungsservices (z.B. auch für Übersetzungen)

Bewerbungsservices

Du möchtest nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Aufwand sparen? Dann lasse deine Bewerbung von professionellen Bewerbungsschreibern verfassen! Das sind Unternehmen, die sich auf das professionelle Erstellen von Bewerbungen (Anschreiben, Lebenslauf, Motivationsschreiben, etc.) spezialisiert haben. Die Kosten für diese Dienstleistung kannst du ganz häufig von der Steuer absetzen oder dir vom zuständigen Amt erstatten lassen.

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Werbungskosten: Bewerbungskosten steuerlich absetzen

Du kannst dich entscheiden, ob du deine Kosten mit Hilfe der Steuererklärung absetzen oder von der Bundesagentur für Arbeit erstattet bekommen lassen möchtest. Hierbei hast du jeweils die Wahl, ob du mit einem Pauschalbetrag oder dem tatsächlichen Kostenbetrag rechnen möchtest.

Pauschale für Bewerbungskosten

Bei der steuerlichen Absetzung hat das Finanzamt eine Pauschale von maximal 1.000 Euro im Jahr für Arbeitnehmer festgelegt. Die Höhe der Pauschale für eine einzelne Bewerbung kann unterschiedlich hoch ausfallen. 10 bis 15 Euro für schriftliche und 2,50 Euro für Online-, Kurz- oder Initiativbewerbung gelten in der Regel als Standardwerte.

Einen Anspruch auf eine bestimmte Pauschale hast du als Arbeitnehmer allerdings nicht – die Entscheidung über die Genehmigung und Höhe liegt immer beim zuständigen Finanzbeamten.

TIPP Oft orientieren sich Finanzämter auch am Urteil der Finanzgerichts Köln (vom 7.7.2004, Az. 7 K 932/03). Bewerbungsmappen werden pauschal mit 8,50 Euro und mappenlose Bewerbungen mit 2,50 Euro gerechnet. Fahrt- und Übernachtungskosten sind in diesen Werten noch nicht enthalten.

Konkrete Ausgaben geltend machen

Erst wenn deine Kosten die Pauschale von 1000 Euro übersteigen, kannst du die gesamten Kosten geltend machen, indem du einzelne Belege über deine Aufwendungen einreichst. Bewahre also immer alle Quittungen auf!




Nachweis für exakte Kosten

Das Finanzamt oder die Bundesagentur für Arbeit können auf Wunsch die Bedingung eines Nachweises deiner entstandenen Kosten einfordern. Es gibt verschiedene Wege, deine Bewerbungskosten glaubhaft zu machen.

  • Auf deine versandte Bewerbung wirst du in der Regel eine Antwort erhalten. Nutze die Eingangsbestätigungsmail, die Absage oder Einladung zum Vorstellungsgespräch, um den Versand der Bewerbung an dieses Unternehmen zu bestätigen.
  • Kopie des Anschreibens (mit Versanddatum!)
  • Quittungen der gekauften Materialien, Reisetickets, etc.
TIPP Erstelle eine Liste mit allen Unternehmen, bei denen du dich beworben hast, um die Übersicht über die jeweiligen Aufwendungen zu behalten.

Vorgehen: Kosten absetzen in der Steuererklärung

Fertige eine Aufstellung aller angefallenen Kosten an und füge sie deiner Steuererklärung bei. Es müssen alle Aufwendungen zum Bewerbungsmaterial, Anfahrts- und Verpflegungskosten, etc. enthalten sein. Außerdem sollten vom Arbeitgeber bereits übernommene Kosten abgezogen sein. Die daraus entstandene Summe wird dann in den Anlagen deiner Steuererklärung eingetragen. Es gibt Anlagen für Einkünfte und für Nachweise zur Berechnung eines Steuerabzugs. In der Anlage N auf Seite zwei sind die Zeilen 45-48 für den Vermerk von Werbungskosten vorgesehen.

Anlage in der Steuererklärung kostenlos herunterladen

Berechne für eine Standardbewerbung die Kosten oder nutze den Pauschalwert und multipliziere diesen mit der Anzahl deiner versendeten Bewerbungen. Optional kannst du Belege bereits beifügen, spätestens aber bei Rückfragen oder Einforderung des Finanzamtes musst du diese parat haben und zu Nachweiszwecken dem Finanzamt aushändigen.

TIPP Thermobelege solltest du nach Möglichkeit kopieren, da die Tinte auf diesem Material schnell verblasst und du sie so eventuell nicht mehr als Nachweis nutzen kannst.

Seit 2019 hast du sogar mehr Zeit, deine Steuererklärung einzureichen. Die Frist wurde von Mai auf Ende Juli verlängert. Beauftragst du einen Steuerberater, hast du sogar bis Februar 2021 Zeit.




Auszahlung: Wann wird die Zahlung wirksam?

Nachdem du deine Steuererklärung eingereicht hast, zieht das Finanzamt den Betrag, den du im Bereich Werbungskosten angegeben hast, vom zu versteuernden Einkommen ab. Eine weitere Möglichkeit ist, dass du einen Teil der bereits gezahlten Steuern nach Erhalt des Steuerbescheides zurücküberwiesen bekommst. Das kann allerdings einen Zeitraum von sechs Wochen in Anspruch nehmen.

Bewerbungskosten der Kinder, in der Ausbildung und im Studium

Entstehende Bewerbungskosten der Kinder können nicht abgesetzt werden. Für diese Ausgaben ist das Kindergeld vorgesehen. Reicht das Kind allerdings selbst eine Steuererklärung ein, kann es die Kosten dementsprechend in dem Bereich Werbungskosten absetzen.

Als Azubi oder Student können deine Werbungskosten in deiner Steuererklärung als Verlust vorgetragen werden. Die Verrechnung erfolgt, sobald du in den Beruf einsteigst und dein Einkommen erstmals versteuert wird. Der Betrag der Werbungskosten wird dann von dem zu zahlenden Steuerbetrag abgezogen.

Erstattung der Bewerbungskosten

Falls du nicht bis zum nächsten Jahr warten möchtest oder die Kosten im Voraus erstattet haben möchtest, ist die Absetzung von der Steuer nicht die geeignete Lösung für dich. Eine andere Option wäre die Erstattung der Bewerbungskosten.




Erstattung durch den Arbeitgeber

Häufig übernimmt der Arbeitgeber die Anreise- bzw. Übernachtungskosten für ein Vorstellungsgespräch. Im Telefonat oder der Einladung zum Gespräch wird diesbezüglich meistens etwas erwähnt. Sollte dort ein Hinweis aufzufinden sein, dass die Kosten nicht von der Firma übernommen werden, besteht die Möglichkeit, dir die Kosten vom Arbeitsamt oder Jobcenter erstatten zu lassen.

Erstattung durch die Bundesagentur für Arbeit, das Arbeitsamt oder das Jobcenter

Wie bei der Steuererklärung kannst du auch bei der Erstattung auf einen Pauschalbetrag zurückgreifen oder dir den tatsächlichen Betrag erstatten lassen. Es gibt allerdings einige Dinge zu beachten:

  1. Bei Ausgaben für Reisekosten musst du einen Antrag vor Antritt der Reise bzw. Entstehung der Kosten beim zuständigen Amt einreichen. Im Nachhinein ist die Kostenübernahme nicht mehr möglich. Oft können dir Zugtickets o.ä. ausgehändigt werden, die du bei der Anfahrt nutzen kannst. Für Aufwendungen für Bewerbungsmaterial wie Mappen, Hüllen und Briefutensilien musst du ebenfalls einen Antrag ausfüllen und Quittungen parat haben. Du erhältst den entsprechenden Betrag für deine Kosten dann per Überweisung.
  2. Im Gegensatz zur steuerlichen Absetzung wird bei der Bundesagentur für Arbeit keine Bewerbung aus einem Beschäftigungsverhältnis heraus finanziell unterstützt. Das heißt: Du musst arbeitssuchend gemeldet sein und den Antrag bei der Bundesagentur für Arbeit einreichen. Beziehst du Arbeitslosengeld 2, muss der Antrag dem entsprechenden Jobcenter ausgehändigt werden.