Bewerbungsvideo: Was ist das?

Ein Bewerbungsvideo ist ein Video, in dem du dich als potenzieller Arbeitnehmer für ein Unternehmen präsentierst und dich und deine Eigenschaften vermarktest – im Prinzip also ein Werbespot für dich selbst. Ursprünglich kommt die Idee zu dieser kreativen Art der Bewerbung aus den USA, sie gewinnt aber auch in Deutschland an Popularität.

Das Bewerbungsvideo ist eine Ergänzung zu den klassischen Bewerbungsunterlagen (Anschreiben und Lebenslauf). Wichtig ist, dass das Video die Gesamtbotschaft deiner Bewerbung unterstützt.

Wann ist ein Bewerbungsvideo sinnvoll?

Manche Unternehmen verlangen im Bewerbungsprozess explizit ein Bewerbungsvideo. Dieser Forderung solltest du natürlich auch nachkommen. Wenn es nicht konkret gefordert wird, musst du selbst entscheiden, ob es angebracht ist und einen Mehrwert für deine Bewerbung bietet. In bestimmten Branchen, wo du viel in Kontakt mit Kunden, Geschäftspartnern oder Kameras stehst, eignet sich ein Bewerbungsvideo besonders gut, da Personaler einen ersten Eindruck der im Beruf geforderten Eigenschaften erlangen können.

Folgende Branchen bieten Spielraum für ein Bewerbungsvideo:

Falls du dich in einer konservativen Branche (Versicherungen, Banken, etc.) mit einem Video bewerben möchtest, kannst du dies theoretisch tun. Die Gestaltungsfreiheit ist in diesen Fällen jedoch eher eingeschränkt.

STIFT Bist du als Bewerber nicht sicher, ob eine Videobewerbung erwünscht bzw. akzeptiert ist, lohnt es sich, dies abzuklären. Ein kurzer Anruf beim Unternehmen reicht schon aus, um die nötigen Informationen zu erhalten.

Pro & Contra: Das spricht für die moderne Bewerbung

Vorteile:

  • Du kannst dich bestmöglich in Szene setzen.
  • Personaler gewinnen einen ersten Eindruck von deiner Ausstrahlung.
  • Du kannst den Text für das Video vorbereiten.
  • Szenen können bis zu deiner Zufriedenheit unendlich oft gedreht werden.
  • Mit einem Video beweist du Eigeninitiative und Kreativität.

Nachteile:

  • Mit der Veröffentlichung auf einer sozialen Plattform, deren Freischaltung nicht individuell einstellbar / begrenzbar ist, setzt du dich der nicht immer gut gemeinten Kritik anderer Leute aus.
  • Der Aufwand, der hinter dem ganzen Vorhaben steckt, ist sehr groß.
  • Bei einer schlechten Umsetzung des Bewerbungsvideos kannst du dich schnell selbst aus dem Bewerbungsprozess schmeißen.

Bewerbungsunterlagen: Bewerbungsvideo als Zusatz

Das Bewerbungsvideo soll meist lediglich die Gesamtaussage der Bewerbung unterstützen und präzise auf den Punkt bringen. Es stellt allein keine vollständige Bewerbung dar! Nur wenn explizit und ausdrücklich mitgeteilt wurde, dass das Video einen oder mehrere Teile der Bewerbung, wie das Bewerbungsschreiben ersetzt, darfst du auf die entsprechenden Unterlagen verzichten!

Dein Bewerbungsvideo ist normalerweise also nur ein Zusatz und kein Ersatz für vollständige Bewerbungsunterlagen. Folgende Unterlagen sollte deine Bewerbung enthalten:

Dem Bewerbungsvideo wird oft der Zweck eines Motivationsschreibens zugesprochen. Es soll deine Beweggründe und Absichten verdeutlichen und interessante Eigenschaften hervorheben.

Vorbereitung & Formulierung des Inhalts

Sollte aus der Stellenausschreibung hervorgehen, dass du als Bewerber explizit um die Erstellung eines Bewerbungsvideos gebeten wirst, findest du häufig Angaben und weitere Anforderungen zum Video in der Stellenausschreibung selbst oder auf der Website des Unternehmens.

Bevor es ans Drehen geht, solltest du alles genau planen und eine Art Drehbuch erstellen. Beim Brainstorming kannst du Ideen sammeln und bereits die groben Inhalte festlegen. Hierbei ist es wichtig, dass du im Video nichts wiederholst, was leicht deinen sonstigen Unterlagen zu entnehmen ist. Lasse die Personaler einen Blick auf deine außergewöhnliche Seite werfen. Neben deinem Namen und evtl. deiner Telefonnummer oder E-Mailadresse sollte der Inhalt grob die folgenden Fragen beantworten:

  • Wer bist du? (Eckdaten, Besonderheiten deiner Person, Erreichtes)
  • Was kannst du? (Qualifikationen, Fähigkeiten)
  • Warum dieses Unternehmen / dieser Job? (Motivation, berufliche Ziele)

Werden diese Fragen bereits im Anschreiben beantwortet, kann der Inhalt des Bewerbungsvideos eine Ergänzung zu den vorhandenen Unterlagen sein. Des Weiteren kannst du es auch nutzen, um Dinge zu erklären, für die im Anschreiben kein Platz ist, wie Lücken im Lebenslauf, ein abgebrochenes Studium, etc. Den vollständigen Lebenslauf solltest du allerdings auf keinen Fall nacherzählen.

TIPP Wenn du zu viele oder keine Ideen für dein Video hast, können folgende Fragestellung helfen, um dich auf relevante Infos zu beschränken:

  • Was würde ich als Personaler über einen Bewerber wissen wollen?
  • Was fände ich interessant / relevant?

Einige Soft Skills wie Eigeninitiative oder Kommunikationsstärke müssen nicht extra erwähnt werden, da du sie passiv im Video selbst vermittelt werden. Für die Vermittlung Anderer reicht die kurze Dauer des Videos nicht, in diesem Fall kannst du sie extra erwähnen.

Durchführung: Bewerbungsvideo erstellen (lassen)

Egal, ob du das Bewerbungsvideo selbst erstellst oder einen Profi beauftragst – es muss gewissen Qualitätskriterien entsprechen. Ansonsten kannst du dich ganz leicht selbst ins Aus schießen und der Bewerbungsprozess ist für dich gelaufen.

Qualitätskriterien

No-Gos für ein Bewerbungsvideo:

  • Verwackelte und unscharfe Aufnahmen
  • Schlechter Ton bzw. Rauschen
  • Störende Hintergrundgeräusche
  • Lügen / Unehrlichkeit
  • Ungepflegtes Aussehen
  • Kaugummi kauen

Setze auf Ehrlichkeit und preise nichts an, was du später nicht einhalten kannst. Unehrlichkeit wird von Personalern leicht durchschaut und wird spätestens im Vorstellungsgespräch auffliegen. Damit ist weder dir noch dem Personaler geholfen.

DOKUMENT Wenn du dein Video bereits hast, aber ein professionelles Anschreiben oder Lebenslauf benötigst, haben wir einen Geheimtipp für dich. Unsere Kooperationspartner Die Bewerbungsschreiber sind auf das Erstellen von professionellen und individuellen Bewerbungsunterlagen spezialisiert und helfen dir gerne.

Dauer

Damit der Personaler auch das gesamt Video anschaut, solltest du eine Dauer von zwei Minuten nicht zu überschreiten. 90 Sekunden wird meist als ideal empfunden. Bedenke, dass es sich um einen Zusatz zu deinen eigentlichen Bewerbungsunterlagen handelt und die wichtigsten Informationen über dich bereits in diesen zu finden sind.

Ist das Bewerbungsvideo der einzige Bestandteil deiner Bewerbung, kann es etwas länger sein. Auch hier solltest du eine Länge von 3 Minuten jedoch nicht überschreiten, da die Konzentration des Personalers irgendwann nachlässt.

Haltung, Sprache & Kleidung

Achte beim Videodreh besonders auf deine Betonung und das Sprachtempo:

  • Nicht zu schnell oder langsam sprechen
  • Nicht zu laut oder leise sprechen
  • Nicht verunsichert auftreten oder undeutlich reden
  • Keine hektischen Bewegungen und Händekneten

Im Stehen zu sprechen, wirkt sich positiv auf den Klang deiner Stimme aus und vermittelt Selbstbewusstsein. Jedoch darfst du dabei nicht herumwackeln. Gesenkte Schultern, Hände in den Hosentaschen oder verschränkte Arme wirken sich ebenfalls negativ auf deine Wirkung aus. Versuche, Blickkontakt zu halten und ab und zu authentisch zu lächeln.

Neben den Faktoren, die du während des Drehs beachten solltest, spielt auch deine Kleidung eine wichtige Rolle. Grundsätzlich kann man sagen, dass du das anziehen solltest, was du auch im Vorstellungsgespräch oder auf dem Bewerbungsfoto tragen würdest. Natürlich gibt es auch hier branchenspezifische Unterschiede. Wichtig ist vor allem, dass du nichts wählst, was dieselbe Farbe wie der Hintergrund des Videos hat.

Hintergrund & Format

Der Hintergrund sollte neutral, ruhig und von warmem Licht bestrahlt sein. So verkörperst du unterbewusst Kompetenz und Organisiertheit aus. Bezüglich der Musik solltest du auf ähnliche Kriterien setzen und eine unaufdringliche Melodie wählen. Auch wenn es oft verlockend wirkt, solltest du auf auffällige, grelle Muster oder viele Spezialeffekte verzichten, da sie als störend empfunden werden können und vom Wesentlichen ablenken.

STIFT Bei der Bewerbung für eine kreative Branche hast du etwas mehr gestalterischen Spielraum, solltest deine Wahl aber stets gut durchdenken und mit Effekten im Video nicht übertreiben.

Ansonsten gilt, dass das Video im Querformat gestaltet werden sollte, da der Personaler es vermutlich am Computer und nicht auf dem Mobiltelefon öffnen wird.

Kosten

Bei einer professionellen Videoerstellung musst du mit mindestens 250 Euro für eine einfache Ausführung rechnen und mit rund 500 Euro für ein Gesamtpaket.

Ein Rundum-Paket enthält in der Regel:

  • Das Video selbst
  • Die Maske & Frisur
  • Eine umfassende Beratung zu Outfit und Drehort

Mit der Eigenregie kommst du natürlich günstiger weg, musst aber trotzdem das entsprechende Equipment haben, um den Qualitätskriterien zu genügen. Im heutigen Zeitalter gibt es bereits Handykameras, die sich für den Dreh eines Bewerbungsvideos eignen (z. B. mit 4k Auflösung). Mit dem Laptop kannst du kostenlose Programme zum Bearbeiten (z. B. Windows Movie Maker für Windows oder iMovie für Apple) nutzen und kleine Änderungen (wie Schnitt, Einfügen von Effekten, etc.) eigenständig vornehmen.

Übermittlung des Videos

Es gibt verschiedene Wege, dem potenziellen Arbeitgeber dein Bewerbungsvideo zu übermitteln. Manche Unternehmen haben spezielle Plattformen oder Bewerbungsportale, wo du mittels Registrierung einen Zugang erlangst und dein Video hochladen kannst. So wird sichergestellt, dass es nur die Person sieht, für die es auch bestimmt ist.

Weitere Möglichkeiten sind:

  • Das Video und die Bewerbung per Mail senden (Achte auf ein gängiges Dateiformat, was von jedem geöffnet werden kann und die zulässige Größe von 5MB nicht überschritten wird)
  • Auf einem Kanal hochladen (Privatisierung durch Passwortschutz o.ä. möglich) und den entsprechenden Link in der Bewerbung unterbringen
  • Auf deiner Bewerbungshomepage hochladen
  • In einer Cloud speichern (z.B. Google Drive oder Dropbox) und den entsprechenden Link freigeben und in der Bewerbung unterbringen
  • Bei einer postalischen Bewerbung kann das Video den Unterlagen auf einem Speichermedium (USB-Stick oder CD) beigefügt werden

Tipps für dein Bewerbungsvideo

Da vor allem die ersten Sekunden des Videos entscheidend sind, solltest du dir einen kreativen und fesselnden Einstieg überlegen.

  • Kurze, aufeinanderfolgende Szenen statt einem durchgehenden, ungeschnittenen Video erleichtern dir den Prozess. Du kannst Fehler leichter ausbessern und einfach die gewünschte Szene erneut drehen.
  • Eine persönliche Ansprache im Video bedeutet einen individuellen Zuschnitt des Videos auf das Unternehmen und zeugt von ehrlichem Interesse. Ganz nach dem Motto: Dieses Video habe ich nur für euch gemacht.
  • Der Text für das Video sollte nicht zu sehr wie Schriftsprache klingen. Beim Formulieren kannst du erst so tun, als würdest du mit jemandem sprechen und dann das Gesagte so aufschreiben.
  • Stichpunkte auf Karteikarten zusammenfassen, kann hilfreich sein, wenn du unsicher beim Präsentieren bist. Nutze sie, um dich daran entlanghangeln, während du den Text für dein Video sprichst.
  • Du solltest dir Feedback von Familie oder Bekannten einholen, da Außenstehende die Wirkung oft besser bestimmen und dir hilfreiche Tipps geben können.
  • Füge deinem Video am Ende einen Call-to-Action (Aufforderung zur Handlung) bei, indem du dein Interesse an einer Einladung zum persönlichen Gespräch bekundest. Du kannst kurz deine Kontaktdaten einblenden, um deine Erreichbarkeit zu signalisieren.

Fazit

Überlege dir vorher gut, ob ein Video deine Bewerbung verbessert und sinnvoll ist. Achte darauf, dass dein Video sowohl zu der ausgeschriebenen Stelle als auch zum Unternehmen passt, bei dem du dich bewirbst.

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