Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltserhöhung?

Wie bei so vielen Dingen im Leben gilt auch hier: Timing ist alles. So hängt der günstigste Zeitpunkt für ein Gespräch zur Gehaltserhöhung von unterschiedlichen Faktoren ab:

  1. Unternehmenszugehörigkeit
    Du musst zunächst einmal eine gewisse Zeit im Unternehmen tätig sein, um eine Diskussionsgrundlage für eine mögliche Verhandlungsrunde zu schaffen. Hierbei kann ein Zeitraum von einem Jahr als Richtwert dienen. Nach erfolgter Gehaltserhöhung sollten dann wieder mindestens zwölf bis 18 Monate verstreichen, bevor du das Thema erneut aufgreifst.
  2. Wirtschaftliche Lage des Unternehmens
    Zeiten, in denen Werke geschlossen und Stellen abgebaut werden, eignen sich nicht sonderlich gut, um die Frage nach der Gehaltsaufbesserung mit dem Vorgesetzten zu diskutieren. Höhere Erfolgschancen bestehen hingegen, wenn das Geschäft floriert. Das Unternehmen hat dann ein höheres Budget und die Grundstimmung ist positiver.
  3. Tag und Tageszeit
    Mit Arbeitgebern verhält es sich wie mit Arbeitnehmern: Am Anfang einer harten Arbeitswoche kann die Laune schon einmal ein wenig gedämpfter sein, als wenn das Wochenende bereits vor der Tür steht. Anstelle eines Termins am Montag bietet sich daher also eher ein Gespräch zum Ende der Woche an.Dabei spielt die Tageszeit eine Rolle: Bei Frühaufstehern hast du mit Blick auf ein Gehaltsgespräch am Vormittag die größten Erfolgsaussichten, während du mit Morgenmuffeln lieber ein Gespräch am Nachmittag vereinbarst. Zudem ist ein Blick in den Wetterbericht vor Terminabsprache durchaus sinnvoll. Hierbei kann ein sonniger Tag für ein besonders sonniges Gemüt beim Chef sorgen.

So bittest du um ein Gespräch zur Gehaltserhöhung

Der erste Schritt in Richtung Gehaltserhöhung ist die Bitte um eine Gehaltsverhandlung. Als Grund für das erneute Gespräch kannst du Folgendes nennen:

  • Eine Erörterung deiner Perspektiven im Unternehmen
  • Eine Beleuchtung deiner bislang erbrachten Leistungen
  • Deine generelle persönliche Weiterentwicklung

Beispiel

„Gerne möchte ich mit Ihnen die positive Entwicklung des letzten Jahres, sowohl geschäftlich als auch persönlich, im Rahmen des Jahresgesprächs besprechen.“

Falls du schon im Vorfeld des Gesprächs darauf hinweisen möchtest, dass es darin unter anderem um dein Gehalt gehen soll, kannst du dir dafür einen Trick auf psychologischer Ebene zunutze machen.

Dabei beziehst du dich nicht auf deinen Wunsch nach einer Gehaltserhöhung, sondern erwähnst stattdessen eine „Gehaltsanpassung“. Hierbei spielt das Thema Semantik eine große Rolle: Wenn etwas angepasst werden muss, entsprach es zuvor nicht der Wirklichkeit und muss dementsprechend einer Korrektur unterzogen werden. Damit wird deine Forderung auf ein stabiles Fundament gestellt.

Beispiel

„Ich freue mich über die positive Entwicklung, die im letzten Jahr sowohl auf geschäftlicher als auch auf persönlicher Ebene erreicht wurde. Gerne möchte ich im Rahmen eines persönlichen Gesprächs eine Gehaltsanpassung besprechen.“

Das Gespräch vorbereiten: Nützliche Argumente sammeln

Nur ein gut vorbereitetes Gespräch ist erfolgversprechend. Du solltest daher im Vorfeld einige Argumente zusammentragen, die deine Position stärken. Zudem verschaffst du dir damit die nötige Sicherheit, um im darauffolgenden Gespräch überzeugend auftreten zu können. Mit unseren Tipps gehst du optimal vorbereitet in das Gehaltsgespräch.

Leistungsmappe

Um deine Gehaltsforderung im Gespräch mit deinem Vorgesetzten mit harten Fakten untermauern zu können, empfiehlt sich die Erstellung einer Leistungsmappe. Sie beinhaltet deine erfolgreich durchgeführten Projekte und erreichten Ziele. Diese Einschätzung kann von verbesserten Prozessen über eingesparte Kosten bis hin zu neu dazugewonnenen Kunden reichen.

TIPPWährend eine regelmäßige Übererfüllung der eigenen Ziele den Anspruch auf eine Erhöhung des Gehalts auf natürliche Art und Weise unterstützt, wird im Gegensatz dazu ein verfehltes Jahresziel schnell zum Bumerang.

Außerdem lohnt sich ein Blick in die Zukunft:

  • Steht ein erfolgreicher Projektabschluss unmittelbar bevor?
  • Was sind deine künftigen Ziele im Unternehmen
  • Wie kann das Unternehmen davon profitieren?

Angebot der Konkurrenz

Falls dir ein Angebot eines anderen Unternehmens mit einem entsprechend höheren Gehalt vorliegt, du aber lieber zu erhöhten Bezügen bei deinem aktuellen Arbeitgeber bleiben möchtest, kannst du dieses Angebot in die Verhandlungen einfließen lassen. Wichtig hierbei: Das Konkurrenzangebot sollte im Gehaltsgespräch nicht die Hauptrolle spielen.

Statt also Druck auszuüben, ermöglichst du deinem Arbeitgeber, dem finanziellen Angebot gleichzuziehen und dich damit im Unternehmen zu halten. Dabei solltest du die Möglichkeit im Blick behalten, dass dein Chef dir die Erhöhung ausschlagen kann. In einem solchen Fall bleibt dann häufig nur noch der Jobwechsel.

TIPPDu willst wissen, wie du dein Gehalt aufbessern kannst? Dann schau in unserem Artikel „Mehr Geld verdienen“ vorbei.

Das richtige Maß finden: Wie viel mehr darf ich verlangen?

Wie hoch du in puncto Gehaltserhöhung ansetzen darfst, hängt maßgeblich von der wirtschaftlichen Lage deines Arbeitgebers ab. In der Regel beläuft sich die zu erwartende Spanne für eine Anhebung auf drei bis sieben Prozent.

Um dieses Ziel erreichen zu können und ein wenig Verhandlungsspielraum zu haben, solltest du deine Forderung demnach bei einer Erhöhung von zehn Prozent ansiedeln.

Ein Sonderfall besteht zudem im Falle einer Beförderung oder der Übernahme neuer Verantwortungsbereiche. Unter diesen Umständen ist eine Erhöhung von zehn bis 15 Prozent angemessen, wobei du als Verhandlungseinstieg eine 20-prozentige Erhöhung ansetzen solltest.

Auf Webseiten wie gehalt.de, gehaltsvergleich.com oder dem Gehaltsanzeiger der Bundesagentur für Arbeit erhältst du Einblicke in gängige Gehälter deiner Posotion. Dabei werden vielseitige Faktoren wie Unternehmensstandort und Berufserfahrung berücksichtigt.

In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, mit einer klaren Vorstellung in das Gehaltsgespräch zu gehen. Denn es ist leichter, im persönlichen Austausch ein deutlich definiertes Ziel im Blick zu behalten, als nur eine vage Idee.

Ein Trick aus der Psychologie kann deinen Erfolg zusätzlich stützen: Die Nennung einer krummen Summe. Diese suggeriert nämlich, dass du dich bis ins letzte Detail mit deinem aktuellen Marktwert beschäftigt hast.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Gehaltserhöhung

Wie verhalte ich mich am besten im Gehaltsgespräch?

Den besten Eindruck hinterlässt du, wenn du ruhig und sachlich auftrittst und dabei zu jederzeit ein Höchstmaß an Freundlichkeit bewahrst. Auch ein selbstbewusstes Auftreten erhöht die Erfolgschancen. Dabei sollte man die Grenze zur Arroganz aber stets im Blick haben.

TIPPEmotionalität hat in dem Gespräch nichts zu suchen. Stattdessen zählen hier vor allem Fakten und Argumente.

Fast noch wichtiger als das, was gesagt wird, ist das, was nicht gesagt wird. Hier zählt die alte Weisheit „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Wenn du selbst schweigst, bringst du deinen Gegenüber in die Lage, etwas zum Gespräch beizutragen.

Das wiederum trägt dazu bei, dass du das bisher Gesagte reflektieren und dir einen Überblick über die Gesamtsituation verschaffen kannst. Eventuell hat sich dein Vorgesetzter in dieser Zeit bereits in deine Richtung bewegt.

Wer ist mein Ansprechpartner?

Der richtige Ansprechpartner für dein Anliegen ist immer dein unmittelbarer Vorgesetzter. Ein direkter Gang zur Chefetage erweist sich dabei als kontraproduktiv, da sich der Abteilungsleiter dadurch übergangen fühlen könnte.

Sofern dein Vorgesetzter nicht über die Berechtigung verfügt, das Gehaltsgespräch selbst durchzuführen, kann sich eine Einbeziehung dagegen auch positiv für dich auswirken. Es besteht nämlich die Möglichkeit, einen weiteren Verbündeten auf deine Seite zu ziehen, der sich bei der Geschäftsführung für dich stark macht und dein Anliegen unterstützt.

Kann ich eine Gehaltserhöhung schriftlich beantragen?

Die schriftliche Beantragung einer Gehaltserhöhung ist selbstverständlich ebenfalls möglich. Hierbei solltest du deine bislang erbrachten Leistungen im Unternehmen samt Tätigkeitszeitraum und Vertragsdauer zusammentragen, um deinem Vorgesetzten auf übersichtliche Art und Weise dein Kompetenzprofil und deinen Anspruch auf eine Gehaltserhöhung zu verdeutlichen.

Auch die Übernahme weiterer Verantwortungsbereiche sowie den Zugewinn neuer Fertigkeiten mittels Weiterbildungen kannst du an dieser Stelle aufführen. Abschließend führst du dann das Gehalt, welches du dir vorstellst, auf. Hinzu kommt der Zeitpunkt, an dem die Erhöhung wirksam werden soll.

Besteht ein Recht auf Gehaltserhöhung?

Klare Antwort: Nein. Dein Gehalt ist und bleibt Verhandlungssache. Doch auch hier gibt Ausnahmen: So müssen sich Arbeitgeber an Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen halten. Darüber hinaus gibt es das Diskriminierungsverbot, welches eine Ungleichbehandlung von Mitarbeitern durch das System verhindern soll.

DOKUMENTFalls du also vermutest, dass du aufgrund deines Alters, deines Geschlechts oder deiner Hautfarbe innerhalb des Unternehmens benachteiligt wirst, kannst du dich mit deinen Ansprüchen auf das Entgelttransparenzgesetz berufen.

Allerdings liegt die Bringschuld in diesem Fall bei dir. Falls der Arbeitgeber diese Ansprüche nicht widerlegen kann, muss er dir die Erhöhung gewähren.

Kann ich eine niedrige Gehaltserhöhung nachverhandeln?

In der Regel nicht. Die Ansetzung der Höhe der gewünschten Gehaltserhöhung liegt in deinem Verantwortungsbereich. Daher sollte diese Einschätzung genauestens abgewogen und das Gespräch sorgfältig vorbereitet werden. Eine Nachverhandlung ist nur möglich, falls sich in der Zwischenzeit neue Argumente ergeben haben, die zum damaligen Verhandlungszeitpunkt noch nicht bekannt waren.

Darf ich eine Gehaltserhöhung vor Kollegen thematisieren?

Solange nicht explizit eine Geheimhaltungsklausel vereinbart wurde, ist das nicht verboten – du solltest aber dennoch davon absehen. Damit rufst du nicht nur potenziell Neid unter den Kollegen hervor, es kann bei diesen ebenfalls die Verhandlungslust wecken, was wiederum eigene Verhandlungen in der Zukunft behindern kann. Zudem sorgt Indiskretion für einen Vertrauensverlust beim Chef.




Gehaltserhöhung abgelehnt: So reagierst du richtig

Natürlich kann es vorkommen, dass dein Wunsch nach einer Gehaltserhöhung trotz guter Argumente und eines überzeugenden Vortrags nicht erfüllt wird. In einem solchen Fall ist es ratsam, sich Gedanken zu machen, ob alternativ unterschiedliche Bonusregelungen infrage kommen. Die Möglichkeiten sind hierbei vielfältig:

  • Erfolgsabhängige Prämien
  • Firmenwagen
  • Personalrabatte
  • Sonderurlaub
  • Homeoffice-Regelungen

Diese werden vom Arbeitgeber als Betriebsausgaben behandelt und verursachen zu großen Teilen keine Steuern oder Sozialabgaben. Mit dieser „Gehaltserhöhung light“ können somit beide Seiten profitieren – was die Erfolgsaussichten der Verhandlung weiter erhöht. Das Schlüsselwort lautet hier also Kompromissbereitschaft.

Sollte dein Vorgesetzter jedoch auch dazu nicht bereit sein, ist es wichtig, Haltung zu bewahren. Eine im Affekt geäußerte negative Bemerkung kann das Arbeitsverhältnis dabei weit über das Gespräch hinaus belasten. Stattdessen ist es sinnvoll, deinen Chef darum zu bitten, dir Verbesserungsmöglichkeiten in deinem Job aufzuzeigen, um deine Chancen auf eine Gehaltserhöhung in der Zukunft zu verbessern.

Sollte es dann mit der Gehaltserhöhung immer noch nicht funktionieren, bleibt die Möglichkeit des Jobwechsels.