Zwischenzeugnis2019-07-08T15:41:07+02:00

Das Zwischenzeugnis

Wer kennt die folgenden Szenarien nicht selbst: Im Job, der eigentlich Spaß macht, tun sich plötzliche Unstimmigkeiten mit dem Chef auf oder eben dieser verlässt die Firma und man bekommt einen neuen Vorgesetzten. Auf einmal läuft man Gefahr, kein adäquates Arbeitszeugnis vom alten Arbeitgeber zu erhalten oder schlechter bewertet zu werden, als es eigentlich gerechtfertigt wäre.

Zwischenzeugnis

Taktisch geschickt mag es deshalb sein, vorab ein Zwischenzeugnis zu beantragen. Damit du dir einen Überblick darüber verschaffen kannst, was genau ein Zwischenzeugnis ist, wie man dieses am besten anfordert und was beim Erstellen inhaltlich auf keinen Fall vergessen werden darf, haben wir im Folgenden einige Tipps und Fakten zusammengetragen.

Wofür brauche ich ein Zwischenzeugnis?

Ähnlich wie bei einem Endzeugnis ist ein Zwischenzeugnis als Arbeitszeugnis zu verstehen, welches jedoch noch während eines laufenden Beschäftigungsverhältnisses angefertigt wird. Mit Hilfe eines Zwischenzeugnisses hat man demnach eine Gewährleistung, dass die guten Leistungen, welche bisher erbracht wurden, auch tatsächlich im abschließenden Endzeugnis aufgeführt werden.

Der Unterschied zwischen einem Zwischenzeugnis und einem Arbeitszeugnis lässt sich in der Gesetzeslage finden. Demnach bildet ein Zwischenzeugnis eine gute Grundlage für ein endgültiges Arbeitszeugnis, zu welchem der Arbeitnehmer gesetzlich verpflichtet ist. Gegebenenfalls kann ein Zwischenzeugnis komplett als endgültiges Arbeitszeugnis übernommen werden.




Einfaches vs. Qualifiziertes Zwischenzeugnis

Es lässt sich im Allgemeinen zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Zeugnis unterscheiden, wobei bei einem einfachen Zeugnis lediglich objektiv Auskunft über die Dauer der Beschäftigung und die einzelnen Tätigkeiten gegeben werden. Dahingegen umfasst ein qualifiziertes Zeugnis zusätzlich die Leistungs- und Verhaltensbeurteilung durch den Arbeitgeber.

TIPP Es empfiehlt sich in der Regel, nach einem qualifizierten Zeugnis zu fragen, um eine detailliertere Auskunft über die Beurteilung der Leistung und des Sozialverhaltens zu erhalten. Grundsätzlich gilt für beide Zeugnisse, dass sie sowohl wahr als auch wohlwollend vom Arbeitgeber formuliert werden müssen.

Wie fordere ich ein Zwischenzeugnis an?

Es ist unbestritten, dass die Bitte um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis für den Arbeitgeber einen großen zeitlichen Arbeitsaufwand darstellt. Zudem entsteht der Verdacht, der Arbeitnehmer wolle sich für einen neuen Job bewerben oder dem jetzigen Arbeitgeber gegenüber illoyal sein. Deshalb mag es von Vorteil sein, die eigenen Absichten zunächst zu verbergen. Das Gesetz sieht vor, dass der Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet ist, ein Zwischenzeugnis für den Arbeitnehmer auszustellen. Demnach hat der Arbeitnehmer keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis.

TIPP Wenn du das Zwischenzeugnis von deinem Arbeitgeber beantragt hast, ist es gut möglich, dass das Erstellen des Zwischenzeugnisses herausgezögert wird. Damit dies nicht der Fall ist, ist es üblich, eine Frist von zwei oder drei Wochen zu setzen. Sollte sich dein Vorgesetzter mit der Erstellung des Zwischenzeugnisses mehr Zeit lassen, muss dieser einen guten Grund für die Verzögerung aufweisen.

Wie erwecke ich nicht den Verdacht, dass ich kündigen möchte?

Es gibt mögliche Gründe, ein Zwischenzeugnis zu beantragen und dabei nicht den Verdacht zu erwecken, dass man das Arbeitsverhältnis bald beenden möchte. Eine solche Beurteilung kann etwa verlangt werden, wenn…

  • ein Positionswechsel innerhalb der eigenen Firma ansteht (womöglich eine Beförderung)
  • ein neuer Vorgesetzter den alten Chef ersetzt
  • eine Betriebsübernahme bevorsteht
  • ein Stellenabbau geplant ist
  • eine Fortbildung ansteht, welche ein Zwischenzeugnis voraussetzt
  • eine längere Abwesenheit bevorsteht (womöglich eine Elternzeit)

Ein letzter wichtiger Faktor ist das Verhältnis zum Arbeitgeber. Basiert das Arbeitsverhältnis auf einem positiven Miteinander, sollte das Beantragen eines Zwischenzeugnisses keine Probleme darstellen.

Zwischenzeugnis – Inhalt und Aufbau

Ein klassisches Arbeitszeugnis unterscheidet sich kaum von einem qualifizierten, vollständigen Zwischenzeugnis. Der größte Unterschied zwischen einem Endzeugnis und einem Zwischenzeugnis ist der Umstand, dass das Zwischenzeugnis im Präsens formuliert ist und kein Beendigungsdatum enthält. Aus den folgenden „Bausteinen“ setzt sich ein Zwischenzeugnis zusammen:

  1. Personalien (Name, Geburtsdatum, Wohnort) sowie die Stellenbezeichnung und der Beginn des Beschäftigungsverhältnisses
  2. Tätigkeitsbeschreibung (die allgemeine Funktion des Arbeitnehmers sowie die Aufgabenbereiche)
  3. Beurteilung der erbrachten Leistungen sowie des Sozialverhaltens gegenüber Kollegen und Vorgesetzten
  4. Begründung für die Ausstellung des Zwischenzeugnisses
  5. Schlussformel (Ein finaler Schlusssatz sowie eine Danksagung)
  6. Unterschrift & Datum sowie ggf. Firmenstempel

Es empfiehlt sich, möglichst exakt auf die inhaltlichen Formulierungen des Arbeitgebers zu achten. Im Idealfall solltest du möglichst viele aktive Formulierungen (anstatt „angestellt“ lieber „tätig“) verwenden. Darüber hinaus mag auch die Schlussformel versteckte Andeutungen enthalten. Das Fehlen einer Abschlussformel wird von Personalern jedoch als grundsätzlich negatives Zeichen gewertet.

Beispielformulierungen für ein Zwischenzeugnis

Ein mögliches Beispiel für die Beurteilung der erbrachten Leistung könnte lauten:

Wir schätzen Herrn Mustermann als äußerst motivierten Mitarbeiter, welcher sich stets im hohen Maße mit seiner Tätigkeit identifiziert. Herr Mustermann erledigt seine Aufgaben systematisch, gewissenhaft und zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Ein mögliches Beispiel für die Beurteilung des Sozialverhaltens gegenüber Kollegen, Kunden oder Vorgesetzten könnte lauten:

Sein stets professionelles Auftreten trug in den letzten Jahren zu einer großen Anzahl erfolgreicher Vertragsabschlüsse bei und macht ihn zu einem wertvollen Bestandteil unseres Teams. Gegenüber Vorgesetzten und Kollegen verhält sich Herr Mustermann stets vorbildlich.

Ein mögliches Beispiel für die Schlussformel könnte lauten:

Wir wünschen uns auch für die weitere Zukunft eine von Erfolg gekrönte, gute Zusammenarbeit mit Herrn Mustermann und wollen uns an dieser Stelle ausdrücklich für seine äußerst bereichernde, eindrucksvolle und stets exzellente Mitarbeit bedanken.

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Welche Alternativen gibt es zu einem Zwischenzeugnis?

Einer der Hauptkritikpunkte an Zwischenzeugnissen ist die Tatsache, dass diese des Öfteren aus einer bloßen Aneinanderreihung leerer Floskeln bestünden, welche wenig inhaltliche Aussagekraft besäßen. Es finden sich folgende Alternativen, denen mehr Aussagekraft zugesprochen wird:

  1. Ausführliche Arbeits- und Tätigkeitsbeschreibung – Vorteile gegenüber einem Zwischenzeugnis liegen vor allem darin, dass hier die Aufgabenbereiche detaillierter ausformuliert und das eigene Tätigkeitsprofil in Bezug auf die Stärken differenziert erläutert werden kann.
  2. Referenzen und Empfehlungsschreiben – Durch Referenzen von einem Kollegen, Mitarbeiter oder langjährigen Kunden kann vor dem kommenden Arbeitgeber brilliert werden.
  3. Mitarbeiterbeurteilung – Rückmeldungen aus Assessment Centern sowie die Beurteilung der Mitarbeiter können vor allem für Führungskräfte als herausragender Zeugnisersatz genutzt werden.
  4. Testimonials – Eine weitere mögliche Alternative zu einem herkömmlichen Zwischenzeugnis ist ein positives Zitat von einer einflussreichen Person in deinem Arbeitsumfeld.
STIFTZusammenfassend sollten beim Zwischenzeugnis alle formalen Kriterien erfüllt sein und die Kompetenzen des Bewerbers mit der Stellenanzeige und dem Lebenslauf übereinstimmen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass eine positive Entwicklung der Leistungen des Bewerbers innerhalb der vergangenen letzten Arbeitszeugnisse erkennbar ist.