Sinn und Zweck von Dresscodes

Schon seit der Antike nutzt der Mensch Kleidung, um Unterschiede klar erkennbar zu machen. Etwa zwischen Mann und Frau, aber auch zwischen verschiedenen sozialen Schichten, denn Adlige und Priester kleideten sich anders als das gemeine Volk. Hier war je nach Beruf die Kleidung vorbestimmt.

Kleiderordnungen bzw. Dresscodes haben heute noch den Sinn, verschiedene Berufsgruppen optisch voneinander zu unterscheiden, sie voneinander abzugrenzen und gleichzeitig innerhalb der Gruppen ein Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft zu erzeugen.

Zweck eines Dresscode

Das zeigt sich besonders deutlich bei Handwerksberufen. Schon seit dem Mittelalter hat jede Zunft traditionell ihre eigene Farbe für die Arbeitskleidung: So tragen beispielsweise Maler weiß, Garten- und Landschaftsbauer häufig grün und Dachdecker oder Zimmerer oft ihre typische Zunftkleidung. Die Arbeitskleidung im Handwerk dient der Vereinheitlichung und Wiedererkennung sowie der Sicherheit der Mitarbeiter.

Einen Dresscode gibt es noch in vielen weiteren Branchen:

  • Gesundheitswesen
  • Postgewerbe
  • Gastronomie
  • Werbe- und Marketingbranche
  • Wirtschaftsunternehmen
  • Finanzwesen

Inzwischen leben wir aber in einer immer offeneren, global orientierten Gesellschaft, die immer mehr Raum für Individualität lässt und in der viele verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. Das wirft die Frage auf, ob Dresscodes im Berufsleben noch zeitgemäß sind.

Unterschiedliche Dresscodes: Was trägst du wo?

Wenn du in das Berufsleben einsteigst oder den Job wechselt, siehst du dich meist schon beim Bewerbungsgespräch, spätestens aber bei der Vertragsunterzeichnung mit dem spezifischen Dresscode des Unternehmens konfrontiert.

Damit du von Anfang an einen guten Eindruck hinterlässt und in kein modisches Fettnäpfchen trittst, solltest du dich im Vorfeld mit den verschiedenen Dresscodes auseinandersetzen. Es geht darum, die Bezeichnungen für die verschiedenen Arten zu kennen und zu wissen, welcher Kleidungsstil sich dahinter verbirgt.

  • Casual: Übersetzt meint Casual zwar Freizeitkleidung – Jogginghosen zählen aber nicht dazu. Ein klassisches Casual-Outfit ist eine gutsitzende, neutrale Jeans mit Hemd bzw. Bluse. Was deine Schuhe angeht, dürfen es Sneaker sein, solange sie sauber, nicht zu bunt und nicht zu ausgelatscht sind. Als Frau kannst du Jeans, Hosen aus Stoff, Kleider oder Röcke sowie Sneaker oder offene Schuhe tragen.
  • Smart Casual: Diese Kleiderordnung kannst du als elegante Erweiterung des Casual-Looks sehen. Sie dir durch die Kombination von schlichten Oberteilen aus hochwertigen Stoffen (z. B. Kaschmir oder Seide) und eleganten Kleidungsstücken, etwa ein Bleistiftrock oder eine Stoffhose. Schlichte Jeans eigenen sich ebenfalls, sofern du sie zu einem Business-Kleidungsstück (z. B. Blazer) trägst.
  • Business Casual: Bei internen Meetings oder am „Casual Friday“ darfst du zum etwas lockerere Business Casual-Look greifen. Als Mann eignen sich farbige Oberhemden, Polohemden oder feine Strickpullover, jeweils mit farblich passenden Stoffhosen. Als Frau darfst du Blusen, Pullover, Röcke und Baumwollhosen nach Lust und Laune kombinieren. Offene Schuhe wie Peeptoes und Sandaletten sind ebenfalls erlaubt.
  • Business Attire: Dieser Dresscode ist die gehobene Variante des Business Casual. Als Mann ist der Anzug mit Krawatte und schlichten Schuhen ein Muss, farblich erlaubt sind dezente Farben (schwarz, grau, blau oder braun). Unterm Anzug trägst du ein helles, einfarbiges Hemd. Als Frau kannst du dich mit einer Stoffhose kombiniert mit einer Bluse oder einem Hosenanzug kleiden. Die Schuhe fallen dezent aus.
  • Business Formal: Beim Business Formal wird es noch formeller. Als Mann solltest du einen zwei- oder dreiteiligen Anzug mit Hemd, Krawatte und Lederschuhen tragen. Erlaubt sind gedeckte Farben, aber auch Nadelstreifen, farbige Krawatten und Hemden in Pastellfarben. Als Frau bist mit einem schicken Kostüm oder einem Hosenanzug mit Bluse angemessen gekleidet. Der Saum deiner Röcke und Kleider sollte das Knie umspielen, aber nie darüber enden. Zum Outfit gehören eine hautfarbene Strumpfhose und Pumps mit einem kleinen Absatz.
TIPP Wichtig ist, dass du beim Business Formal nie mehr als zwei Muster miteinander kombinierst.

  • Semi Formal: Die Bezeichnung dieses Dresscodes ist trügerisch, denn hier geht es keineswegs nur „halbformell“ zu. Wenn dieser Dresscode angekündigt wird, geht es um Kontakte zur Chefetage oder zu externen Kunden. Als Mann trägst du einen dunklen Anzug mit Hemd und Krawatte, am Abend wird unter Umständen ein Smoking von dir erwartet. Als Frau machst du mit einem Kostüm, einem Kleid oder einem Hosenanzug nichts falsch – vorausgesetzt, der Saum deines Kleides oder Rocks ist knielang und die Strumpfhose blickdicht.

Formelle Kleidung macht erfolgreich

Die richtige Kleidung spielt eine erhebliche Rolle für den beruflichen Erfolg. Wenn du einen neuen Job suchst, solltest du dich vorab gründlich darüber informieren, welcher Dresscode im Wunschunternehmen angesagt ist. Erscheinst du angemessen gekleidet zum Vorstellungsgespräch, machst du gleich einen guten Eindruck.

Für die Bewerbung sowie in der Anfangsphase gilt trotz Dresscode die Devise: Lieber ein wenig zu schick anziehen, damit du seriös und respektvoll wirkst, und dann das Outfit an das anpassen, was Kollegen in der gleichen Position tragen.

TIPP Wissenschaftlichen Untersuchungen haben ergeben, dass Mitarbeiter, die formelle Kleidung tragen, produktiver sind als andere. Das belegt unter anderem eine Studienreihe aus dem Jahr 2015, die sich mit den kognitiven Auswirkungen von formeller Kleidung befasst hat.

Sie zeigt, dass sich Menschen, die sich entsprechend kleiden, besser konzentrieren und abstrakter denken können und dadurch klügere Entscheidungen treffen – Aspekte, die für den beruflichen Erfolg entscheidend sind. Auch für Gehaltsverhandlungen stehen die Chancen auf Erfolg besser, wenn du formelle Kleidung trägt.

Der Kleidungsstil beeinflusst den beruflichen Erfolg dahingehend, dass er sich positiv auf deine innere Haltung und deine Arbeitsweise auswirkt, denn sie strahlt Selbstbewusstsein und Kompetenz aus. Eine hochwertige Kleidung am Arbeitsplatz vermittelt deinem Gegenüber „Ich bin hier, um aktiv zum Unternehmenserfolg beizutragen“.

So beeinflusst die Kleidung den Kunden

Der Dresscode wirkt sich nicht nur auf den Mitarbeiter aus, sondern auch auf den Kunden und den Eindruck, den er im Kontakt mit dir bekommt. Neben Geruch und Körpersprache spielt die deine Kleidung somit eine wichtige Rolle für den ersten Eindruck: Gut gekleidet bekommst mehr Aufmerksamkeit – und dies ist im Kundengespräch ein wichtiger Faktor für deinen Verkaufserfolg.

STIFTEs ist wissenschaftlich belegt, dass Menschen innerhalb weniger Sekunden darüber entscheiden, ob sie ihr Gegenüber sympathisch finden oder nicht. Die Macht des ersten Eindrucks lässt sich nicht mindern. Mehr zu diesem Thema findest du hier.

Ein guter Kleidungsstil kann ein schlechtes Produkt oder einen unprofessionellen Umgang mit dem Kunden selbstverständlich nicht wettmachen. Dennoch wird das Gefühl vermittelt, dass du als Mitarbeiter respektvoll, professionell und seriös arbeitest, dass du vertrauenswürdig bist und dass das Unternehmen auf hohe Qualität achtet. Ein guter Gesamteindruck wertet die Kundenmeinung deutlich auf.

Authentizität: Neue Codes lösen alte ab

In vielen Branchen sind die Anforderungen an den Kleidungsstil am Arbeitsplatz schon vor einigen Jahren gelockert worden. Inzwischen geht nur noch ein sehr geringer Teil der Bevölkerung in Anzug und Kostüm zur Arbeit. Die meisten Unternehmen greifen stattdessen zum Smart-Casual-Dresscode, der viele Freiheiten und Interpretationsspielräume lässt.

Mit weniger strengen Kleidungsvorgaben kannst du deinen individuellen Stil stärker hervorheben oder ganz bewusst mit Stilbrüchen zwischen dem vorgegebenen Dresscode und deiner Freizeitkleidung spielen.

TIPPEinige junge Unternehmen und Start-Ups pflegen eine ganz andere Kultur – nicht nur was die Kleidung anbelangt, sondern auch, im Umgang miteinander. Individualität ist gerne erwünscht und es ist wichtiger, dass sich alle auf der Arbeit wohlfühlen.

Der repräsentative Gedanke spielt dann eher eine untergeordnete Rolle. Das persönliche Können, Fähigkeiten und Kompetenzen werden nicht an Äußerlichkeiten festgemacht – Offenheit und flache Hierarchien zählen stattdessen.

Sneakers gehören heutzutage oft zum Alltagsoutfit im Beruf. Du kannst sie inzwischen zu nahezu Allem kombinieren – auch zu einem Sakko oder Blazer. Mitunter kannst du mit dem Griff zu einer ganz bestimmten Marke ein Statement setzen und zeigst Trendbewusstsein.

Einige Marken stehen darüber hinaus für ein ganz bestimmtes Image (wie z. B. Nachhaltigkeit) und können durchaus passend das Image des Unternehmens aufgreifen und widerspiegeln.

Wenn du Sneakers im Büro oder beim Meeting tragen möchtest, solltest du eher zu einfarbigen, schlichten Modellen greifen. Damit die Schuhe ihre Wirkung nicht verfehlen und deinem Look einen lässigen Touch verleihen, musst du sie unbedingt gut pflegen und regelmäßig putzen.

Mehr Individualität in modernen Unternehmen

Ein lockerer Dresscode wirkt sich auf das Verhältnis zwischen Mitarbeiter und Kunde sowie auf deine innere Haltung aus. Dadurch ergeben sich Vorteile für beide Seiten:

  1. Für dich als Mitarbeiter bedeutet es mehr Individualität, wenn du dich nicht nach einem Dresscode richten musst.
  2. Nicht jeder, der ein formelles Outfit trägt, kann sich automatisch selbstbewusster und seriöser fühlen und das nach außen transportieren.
  3. Viele kommen sich in formellen Outfits verkleidet vor und können ihre Arbeit überzeugender verrichten, wenn sie ihren persönlichen Stil einbringen dürfen.
  4. Durch die stärkere Individualität strahlst du mehr Authentizität aus wirkst glaubwürdiger auf den Kunden.
  5. Die förmliche Distanz, die ein klassisches Business-Outfit immer mit sich bringt, fällt weg und das bedeutet für die Kunden, dass sie sich wohler fühlen.

Diese Rolle spielen Dresscodes in den einzelnen Branchen

Wie streng die Kleidungsvorschriften in einem Unternehmen ausfallen, hängt in erster Linie von der jeweiligen Branche ab. Während in konservativen, traditionellen Branchen immer noch ein recht strenger Dresscode herrscht, geht es in vielen anderen Branchen inzwischen etwas lockerer zu.

  • Consulting: Consultants haben viel Kundenkontakt und führen meist entscheidende Verkaufsgespräche. Aus diesem Grund ist hier immer noch ein strenger Business-Dresscode Standard. Als Mann trägst du Anzug und Krawatte, als Frau solltest du zu einem klassischen Hosenanzug oder einem Kostüm greifen.
  • Banking: Ein strenger Dresscode ist im deutschen Bankwesen nicht mehr unbedingt angesagt. Hier geht es inzwischen mehr darum, Empfehlungen auszusprechen, statt konkrete Vorgaben zu machen. Wichtig ist nur, dass du als Mitarbeiter mit deiner Kleidung einen seriösen und vertrauenswürdigen Eindruck vermittelst.
  • Juristische Tätigkeiten: Diese Branche ist nach wie vor sehr traditionell, was den Dresscode betrifft. Anzug mit Krawatte bzw. Kostüm sind in den meisten juristischen Berufen ein Muss für dich.
  • PR, Marketing, Werbung: In diesen Branchen geht es in Bezug auf die Kleidung eher locker zu und ein Casual-Look ist oft ausreichend. Hier ist es sogar gern gesehen, wenn du über die Kleidung deine Persönlichkeit zum Ausdruck bringst. Beim Kundenkontakt sollte dein Outfit aber seriös ausfallen, Anzug oder Kostüm sind hier angemessen, wobei die Schnitte / Varianten moderner sein dürfen.
  • IT: In der IT-Branche wird meistens auf einen bestimmten Dresscode verzichtet, zumindest beim Personal ohne Kundenkontakt. Für alle anderen Mitarbeiter ist ein Look zwischen Casual und Business Casual angebracht: Als Mann solltest du ein Hemd, als Frau eine Bluse mit Blazer tragen.
Dresscodes in verschiedenen Branchen

Fazit: Der Gesamteindruck ist entscheidend

In einigen Branchen ist der Dresscode längst nicht mehr so streng wie noch vor zehn Jahren. Obwohl sich die Mitarbeiter am Arbeitsplatz immer mehr so kleiden dürfen, wie es ihrem persönlichen Geschmack entspricht, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie deswegen weniger seriös und professionell wirken.

Wichtig ist, dass du die Gratwanderung zwischen der berufsbedingten Vorgabe und deinem individuellen Stil schaffst, um immer dem Anlass und dem Job entsprechend gekleidet zu sein, ohne deiner Persönlichkeit nicht mehr gerecht zu werden. Es geht vielmehr darum, sofern möglich, am Arbeitsplatz die Kleidung zu tragen, die dein persönliches Image unterstreicht.

Exkurs: Wie sehr darf der Chef in den Modestil eingreifen?

Vorgaben über das Aussehen am Arbeitsplatz sind immer ein Eingriff in deine Persönlichkeit. Daher stellt sich unweigerlich die Frage, wie extrem die Vorgaben deines Arbeitgebers sein dürfen. Das hängt zunächst von der Branche ab. In vielen Berufen dient der Dresscode dazu, die nötigen Sicherheitsanforderungen und Hygienevorschriften zu erfüllen.

In Positionen mit viel Kundenkontakt wird oft ein gut gekleidetes und gepflegtes Äußeres von dir erwartet, um einen guten Eindruck zu hinterlassen und das Unternehmen adäquat zu präsentieren. Wie formell die Kleidung dafür sein muss, kann wiederum dein Arbeitgeber entscheiden. Er kann zudem Vorgaben bezüglich Farbe, Ausschnitttiefe und Absatzhöhe machen.

Die Entscheidung orientiert sich an folgenden Punkten:

  1. Welches Erscheinungsbild ist in der Branche üblich und will sich das Unternehmen diesem Standard anpassen oder sich davon abgrenzen?
  2. Passt die geforderte Kleidung zu den Produkten und Dienstleistungen des Unternehmens?
  3. In welchem Preissegment bewegen sich die Produkte und Dienstleistungen und welche Erwartungen haben die Kunden und Geschäftspartner?

Zu viele Einschränkungen sind nicht zulässig. Dein Arbeitgeber muss immer abwägen, ob die geplanten Vorgaben zu rechtfertigen sind. Der Eingriff in deine Freiheit als Mitarbeiter, selbst zu entscheiden, was du anziehen möchtest, muss immer verhältnismäßig sein und darf die Grenzen der Zumutbarkeit nicht überschreiten.

So sieht es in folgenden Fällen mit erlaubten Vorschriften aus:

  • Kopftuch und Kippa: Trotz der Religionsfreiheit in Deutschland ist es in bestimmten Fällen zulässig, religiöse Symbole am Arbeitsplatz zu verbieten. Beispielsweise, wenn das Tragen von Kopftüchern oder Ketten beim Umgang mit Maschinen zu gefährlich ist oder wenn das Unternehmen nach außen hin neutral auftreten soll. In einigen Bundesländern sind religiöse Symbole sogar im Schuldienst verboten.
TIPP Weitere spannende Fragen und Antworten zum Thema „Kopftuch am Arbeitsplatz“ findest du hier.

  • Unterwäsche: Angaben darüber, welche Farbe die Unterwäsche haben darf, sind etwa dann zulässig, wenn die Farbe den Charakter der Dienstbekleidung beeinträchtig. Der Arbeitgeber darf zudem darauf bestehen, dass du Unterwäsche trägst, beispielsweise aus hygienischen Gründen und um die Kleidung zu schonen, wenn sie Eigentum des Unternehmens ist.
  • Tattoos und Piercings: Tattoos und Piercings sind zwar längst keine Seltenheit mehr, aber in der Geschäftswelt nicht überall gerne gesehen. Dem Arbeitgeber steht es somit zu, dir Vorschriften bezüglich Tattoos und Piercings zu machen: Beispielsweise, wenn du viel mit Kunden arbeitest und diese ein gewisses Erscheinungsbild erwarten.