Verrücktes Vorstellungsgespräch

Worauf Bewerber sich potenziell gefasst machen können

Ein verrücktes Vorstellungsgespräch kann immer unverhofft kommen – gespickt mit skurrilen Fragen in unmöglichen Situationen, verrückten Brainteasern und (im Nachhinein) viel Humor, den du als Bewerber brauchst. Für dein nächstes verrücktes Vorstellungsgespräch folgt hier dein Info-Paket dazu!

„But I don’t wanna go among the mad people,” Alice remarked.

“Oh, you can’t help that,” said the Cat: “We’re all mad here. I’m mad. You’re mad.”
“How do you know I’m mad?” said Alice.
“You must be,” said the Cat, “or you wouldn’t have come here.”

Das sind die Worte der Grinsekatze zu Alice im Wunderland, nachdem diese bereits durch die verschiedenen verrückten Figuren beeinflusst wurde. Direkt danach wird sie zum Märzhasen, der Haselmaus und dem verrückten Hutmacher geschickt – welche in einer ausgelassenen Stimmung bei einer Teeparty ihren „Nicht Geburtstag“ feiern. Dort wird Alice unvorbereitet mit verrückten Fragen und Rätseln konfrontiert, die sie nach Möglichkeit lösen soll.

Ähnlich verwundert wie Alice reagieren Kandidaten in Vorstellungsgesprächen auf scheinbar verrückte Fragen der Personaler. Denn warum will ein Arbeitgeber plötzlich wissen, wie viele Smarties in einen Smart passen?

Verrücktes Vorstellungsgespräch – zwei Beispiele

Ein Bewerbungsgespräch ist natürlich nicht vergleichbar mit der Teeparty, zu der Alice gelangt. Doch mindestens ebenso verrückte Vorstellungsgespräche scheinen Bewerber zu erleben. Ein ganz beliebtes Beispiel für ein verrücktes Vorstellungsgespräch ist die Methode von Charles M. Schwab.

Verrücktes Vorstellungsgespräch bei Charles M. Schwab

Zwei Menschen beim Frühstück - verrücktes Vorstellungsgespräch

© Rawpixel.com – Fotolia

Das Vorstellungsgespräch von Charles M. Schwab verläuft nicht in einem Büro, sondern in einem Lokal. Dort wird der nichts ahnende Bewerber zu einem Frühstück eingeladen. Was zunächst nach einer angenehmen Situation klingt, wird im Nachhinein zu einer Gemütsprobe für den Bewerber:

Bevor dieser das Lokal betritt, werden die Servicekräfte von Charles Schwab dazu angewiesen, die Bestellung seines Gastes ordentlich durcheinanderzuwirbeln. Das Ziel ist es, die Reaktion des Bewerbers auf solche eigentlich vermeidbaren Fehler zu testen und dadurch einen Rückschluss auf die Persönlichkeit des Bewerbers zu erlangen. Klingt zunächst schräg, doch Schwab selbst sagt dazu:

„We’re all going to make mistakes. The question is: How are we going to recover when we make them and are we going to be respectful to others when they make them?”

Doch hierbei handelt es sich nicht um die einzige schräge Situation, in der du dich bei deinem Vorstellungsgespräch für einen Job wiederfinden kannst. In verschiedenen Foren tauschen sich Bewerber über Fragen im Vorstellungsgespräch aus, die ihnen bei der Jobsuche begegnet sind. Hierbei kam zum Beispiel der folgende Fall:

Bewerbungssgespräch bei einem gemütlichen Bier

So wird von einem Professor berichtet, welcher das Bewerbungsgespräch in eine Kneipe verlegt hat. Mit der Zeit wurde die Karriere in dem Unternehmen sowie der Antritt einer neuen Stelle immer mehr zu einer Nebensache. Letztlich wurde der Kandidat vor die Wahl gestellt: Wollen Sie für mich arbeiten, oder lieber zwei Wochen mit mir in den Urlaub? Der Kandidat entschied sich dann für den Urlaub.

Verrücktes Vorstellungsgespräch – verrückte Fragen

Du als Bewerber bereitest dich natürlich auf alle Eventualitäten bei deinem Vorstellungsgespräch vor: Recherchierst zum Arbeitgeber, lernst die Unternehmensphilosophie auswendig, hast die besten Antworten für die Standardfragen parat, schaust nach den bekannten Zahlen und Fakten zum Unternehmen und hast, selbstverständlich, ebenfalls ein paar knallharte, gut überlegte Fragen an den Personaler auf Lager.

Aber dann das:

Welche Form von Kanaldeckeln bevorzugen Sie?

Diese Art Frage nennt sich Brainteaser. Sobald Personaler eine solche Frage stellen, geht es bei den Antworten weniger um richtig oder falsch. Es geht darum, dich in eine ungeplante Gesprächssituation hineinzukatapultieren. Dein potenziell künftiger Chef möchte dabei die folgenden Fähigkeiten bei dir testen:

  • Logik
  • Kreativität
  • Auffassungsgabe
  • Reaktion auf ungeplante Ereignisse
  • Denkmuster
  • Problemlösungsfähigkeit
  • Testen des abstrakten Denkens

Des Weiteren erfüllen diese Fragen noch einen ganz anderen Effekt: Sie reißen dich aus der strengen, strikt geplanten Gesprächsreihenfolge heraus. Es gilt für dich, noch immer Seriosität zu zeigen. Allerdings wurdest du aus deinem vorherigen Muster „Vorbereitete Frage – meine auswendig gelernte Antwort“ herausgerissen und kannst folglich Spontanität sowie weitere, in deiner Bewerbung genannte Soft Skills unter Beweis stellen.
Für deine Vorbereitung hier eine kleine Auswahl dieser verrückten Fragen:

  • Wie würden Sie vorgehen, um die Höhe eines Gebäudes mit einem Barometer zu messen?
  • Ein Parkplatz voller Autos, bis auf einen einzigen Platz. Welchen Code würden Sie nutzen, um von einer beliebigen Stelle aus zu diesem Parkplatz zu gelangen und in jedem Schritt nur ein Auto zu bewegen?
  • Wie schwer ist Manhatten?
  • Es gibt zwei Inseln, auf der einen sind drei Mönche, auf der anderen sind drei Kannibalen. Die Kannibalen haben ein Boot, in das maximal zwei Leute passen. Wie kommen alle Mönche auf die andere Insel? Es dürfen aber niemals die Kannibalen auf einer Insel in der Überzahl sein, da sie sonst die Mönche fressen würden
  • Duschen oder baden Sie lieber?
  • Welches Bundesland würden Sie in Deutschland abschaffen?
  • Können Sie backen? Wenn ja, welchen selbst gebackenen Kuchen würden Sie mit zur Arbeit bringen?

Die wichtigste Frage: Wie sollst du reagieren?

Mad Hatter: “Why is a raven like a writing-desk?”
“Have you guessed the riddle yet?” the Hatter said, turning to Alice again.
“No, I give it up,” Alice replied: “What’s the answer?”

Alice wird während der verrückten Teeparty gefragt, was ein Rabe mit einem Schreibtisch gemeinsam hat. Sie bleibt bei der Antwort ehrlich, sie weiß es nicht. Ebenso gestaltet sich unser Tipp für dich: Bleib ehrlich.

Du weißt die Antwort aus dem Stegreif nicht, das ist vollkommen in Ordnung. Ein einfaches „Ich weiß es nicht, tut mir leid.“ ist jedoch der falsche Weg.

Warum?

Ganz einfach: Mit dieser Haltung zeigst du, dass du dir nicht einmal die Mühe machst, eine Problemlösung zu finden.

Besser:

„Direkt die richtige Lösung kann ich Ihnen nicht garantieren. Doch wie folgt würde ich das Problem angehen: … Sollte dies nicht funktionieren, so würde ich Folgendes vorschlagen: …“

Dadurch zeigst du, dass du versucht bist, einen richtigen Weg zu finden und ebenfalls Lösungsansätze bieten kannst. Du beweist Kreativität und Spontanität, beides Eigenschaften, die dir in deinen angestrebten Jobs nutzen können.

Merke dir also:

Ein verrücktes Vorstellungsgespräch kann es geben. Das hat aber nichts damit zu tun, dass der Personaler bzw. die Personalerin nicht ganz bei der Sache ist. Es geht primär um eine kleine Prüfung deiner Persönlichkeit, die du mit diesen Informationen nun besser überstehen kannst.