Bewerbung

Entscheidungshilfe: Jobangebot annehmen oder ablehnen?

Soll ich den Job annehmen oder soll ich dem Arbeitgeber absagen? Eine Frage, die sich Bewerber häufig stellen – schließlich hat diese Entscheidung großen Einfluss auf die weitere berufliche Zukunft und das Leben. Es geht also um mehr als nur das Gehalt. Dieser Artikel hilft dir, die richtige Wahl zu treffen.

✔ Deine Bewerbung ist gut verlaufen und du hast ein Jobangebot erhalten. Wenn es sich um deinen Traumjob handelt und du von der Stelle ohnehin völlig begeistert bist, spricht nichts dagegen, das Angebot direkt anzunehmen. Darauf zu hoffen, dass ein noch besseres Jobangebot um die Ecke kommt, ergibt dann wenig Sinn.

Dies ist jedoch nicht immer der Fall: Plötzlich kommen Zweifel auf oder du interessierst dich mehr für einen anderen Job, für den du aber noch kein Angebot vorliegen hast. Was ist also zu tun? Den Arbeitgeber lange hinzuhalten, kommt nicht gut an. Die folgenden Tipps helfen dir dabei, die richtige Wahl für deine Karriere und somit auch für dein Leben zu treffen.

Job annehmen oder absagen? Grundsätzliches:

Wie sage ich ein Jobangebot ab?

Ob du telefonisch oder schriftlich absagst, bleibt dir überlassen. Sei aber in jedem Fall ehrlich, freundlich und bedanke für das Interesse an deiner Person. Hast du dich für das Angebot eines anderen Arbeitgebers entschieden, wird dir dafür niemand den Kopf abreißen. Unternehmen entscheiden sich andersherum schließlich auch für den besten Bewerber und schicken allen anderen Bewerbern eine Absage mit dem Inhalt „Es tut uns leid, aber wir haben uns für einen anderen Kandidaten entschieden.“ Warum solltest du also umgekehrt nicht genauso verfahren dürfen?

Wie viel Zeit habe ich für die Entscheidung?

Dein Arbeitgeber wird dir nach dem Jobangebot ein wenig Zeit lassen, den Arbeitsvertrag in Ruhe zu lesen und dir noch einmal genau zu überlegen, ob du den Job wirklich annehmen willst oder nicht. Die Hinhalte-Taktik ist allerdings keine gute Idee und lässt den Arbeitgeber zweifeln, wie viel Interesse du überhaupt an dem Job hast. Versuche also, dich schnell zu entscheiden. Lange auf die Rückmeldung eines anderen Unternehmens zu warten ist keine gute Idee, außer dir wurde ein genauer Termin genannt, an dem die Entscheidung fällt. Diesen kannst du dann auch dem ersten Arbeitgeber nennen.

Ein Jobangebot nach der Bewerbung auf eine Stellenausschreibung absagen

Du hast dich gezielt auf eine Stellenausschreibung beworben, warum solltest du hier also absagen? Nun, dafür kann es vielerlei Gründe geben.

Check Mache dir, nachdem du das Angebot von einem Arbeitgeber erhalten hast, eine Pro-und-Contra-Liste. Tendierst du bereits zu einer Seite? Dies kann der erste Hinweis darauf sein, ob du den Job wirklich annehmen solltest oder nicht.

Zufrieden mit dem Gehaltsangebot?

Das Gehalt ist wohl einer der wichtigsten Faktoren für die Annahme eines Jobs. Schaue deswegen zunächst, ob du bei deiner zukünftigen Stelle ausreichend Geld verdienen wirst. Dabei spielt natürlich deine persönliche finanzielle Situation eine Rolle. Wenn du mit dem Gehalt nicht zufrieden bist, solltest du entweder das Angebot direkt ablehnen, es gegen die anderen Entscheidungsfaktoren abwägen oder in eine neue Gehaltsverhandlung gehen. Erwartet dich zudem ein weiteres Jobangebot (z.B. wenn du mehrere erfolgreiche Bewerbungen hattest) dann prüfe, ob du bei einer anderen Firma bei gleicher Leistung mehr Geld verdienen könntest.

Lehne niemals ein Jobangebot ab, solange dir noch kein unterschriebener Arbeitsvertrag des anderen Unternehmens vorliegt!

Aufstiegschancen

Lampe Es ist wichtig zu wissen, wie die Aufstiegschancen bei dem Job aussehen, der dir angeboten wurde. Verdienst du am Anfang nur wenig Geld, können gute Entwicklungsmöglichkeiten dies wieder ausgleichen. Die gebotenen Aufstiegschancen gehören zu den wichtigsten Fragen für Bewerber im Vorstellungsgespräch.

Welche Vergünstigungen bietet das Unternehmen?

Du solltest dir nicht nur das Jahresgehalt anschauen! Häufig können andere Faktoren wie z.B. Vergünstigungen, Boni, Weihnachtsgeld, Versicherungen oder sogar ein eigener Firmenwagen das Gehalt des Jobs deutlich aufstocken. Die Frage, ob Überstunden bezahlt werden, ist ebenfalls entscheidend. Erkundige dich also genau über mögliche Vergünstigungen und ob Weiterbildungen von der Firma bezahlt werden. Interessant für dich sind ebenfalls die verfügbaren Urlaubstage und die Pensionsregelungen.

Sind die Arbeitszeiten akzeptabel?

Im Vorfeld musst du dir über dein zukünftiges Arbeitspensum bewusst sein. Je nach Unternehmen oder Branche ist bereits von vornherein klar, dass du mehr Zeit mit deinem Job verbringen wirst, als in deinem Vertrag steht. Und natürlich darfst du die Hin- und Rückfahrt zwischen Arbeitsplatz und deinem Wohnort nicht vergessen.

TIPP Einige Jobs sind mit langen Reisen verbunden, sodass du genau abwägen solltest, ob du mehrmals pro Woche unterwegs sein willst. Dies kann besonders im Zusammenhang mit der Familienplanung problematisch sein.

Herrscht im Unternehmen ein angenehmes Arbeitsklima?

Das Arbeitsklima innerhalb eines Unternehmens ist sehr wichtig, um Spaß an der Arbeit zu haben und effektiv zu sein. Am besten fragst du nach, ob eine Art „Schnuppertag“ möglich ist. So kannst du deine zukünftigen Mitarbeiter bereits im Vorfeld kennenlernen und du verschaffst dir einen ersten Eindruck. Verstehst du dich mit einigen Mitarbeitern nicht auf Anhieb, gilt es abzuwägen, ob du auf Dauer dort arbeiten willst.

Jobangebote in Karrierenetzwerken wie Xing oder LinkedIn ablehnen

Die digitale Vernetzung gehört mittlerweile zur Karriere wie der Lebenslauf zum Bewerbungsschreiben. Immer mehr Arbeitnehmer drehen den Bewerbungsspieß um und lassen sich finden, statt selbst zu suchen. Dabei kommt es immer wieder vor, dass Jobangebote von Recruitern oder Headhuntern ins Haus flattern. Doch entsprechen diese nicht den eigenen Vorstellungen, sollte man sie nicht einfach ignorieren, sondern höflich absagen. Die Gründe können vielfältig sein:

  • Man will nur mal den eigenen Marktwert testen
  • Man ist zwar offen für neue Angebote, fühlt sich aber in seiner aktuellen Stelle eigentlich ganz wohl
  • Das Angebot bedeutet keinen beruflichen oder finanziellen Aufstieg
  • Die angebotene Stelle ist zu weit vom eigenen Wohnort entfernt
  • Etc.

Ganz gleich, welchen Grund du hier hast, das Jobangebot abzulehnen, nenne ihn! Wenn ein Recruiter dich anschreibt, äußert er damit schon ein gewisses Interesse an deinem Profil. Durch eine kurze Mail oder ein Telefongespräch kannst du ihm erklären, warum dieses Angebot für dich nicht infrage kommt. So weiß er für zukünftige Angebote bereits, wonach du suchst und was deine Ausschlusskriterien sind. Er kann dir somit künftig Stellen präsentieren, welche besser auf dich zugeschnitten sind und du sagst beim nächsten Kontakt vielleicht nicht nein, sondern findest deinen neuen Traumjob. Bei einer ausgebliebenen Rückmeldung wirst du das nächste Mal vielleicht gar nicht mehr berücksichtigt.

Jobangebote vom Arbeitsamt ablehnen

Einen Vermittlungsvorschlag vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur abzulehnen, kann schnell zu Problemen führen. Hier solltest du also genau überlegen, ob du das Angebot nicht besser annimmst. Während du als Empfänger von Arbeitslosengeld 1 noch relativ viele Freiheiten genießt und die Vorschläge der Sachbearbeiter sich meist an deinem erlernten Beruf und deinem bisherigen Werdegang orientieren, hast du als Empfänger von Arbeitslosengeld 2 in der Regel sehr schlechte Karten und musst mit Sanktionen rechnen, wenn es darum geht, ein Angebot abzulehnen.

Hartz-IV Empfänger müssen laut Sozialgesetzbuch jede zumutbare Tätigkeit annehmen. Dabei wird nicht etwa darauf Rücksicht genommen, ob du für die vorgeschlagene Tätigkeit vielleicht mehr als überqualifiziert bist oder ob du jeden Tag mehr als drei Stunden pendeln musst. Ausnahmen werden hier fast nur bei körperlich unzumutbaren Tätigkeiten (mit Attest vom Amtsarzt) gemacht. Im Extremfall kann das so aussehen, dass du nach Abschluss deines Studiums erst einmal Möbel schleppen darfst, weil in deiner Branche gerade nicht so viele Stellen für Absolventen frei sind.

Fazit

Auch wenn es zunächst nach einem Luxusproblem klingt, kann es viele gute Gründe geben, ein Jobangebot abzusagen. Bedenke die obigen Faktoren und erstelle deine persönliche Pro-und-Contra-Liste. Achte darauf, wie du einzelne Punkte gewichtest und vertraue zusätzlich auf dein Bauchgefühl.