Ist eine Guerilla-Bewerbung erfolgversprechend?

Ist eine Guerilla-Bewerbung erfolgversprechend?

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Die Sichtung einer Bewerbung ist für Personaler ein routinierter Arbeitsablauf. Wie könnte es auch anders sein? Jeden Tag wartet ein neuer Stapel Bewerbungsmappen auf ihren Schreibtischen und das gleiche Ausmaß noch einmal in digitaler Form in ihren Posteingängen. Jeden Tag wartet dieselbe Arbeit und die Bewerbungsschreiben beginnen alle gleich. Wer sich bewirbt, verliert sich schnell in Floskeln und greift auf das zurück, was sowieso alle machen.

Die Guerilla-Bewerbung ist nicht nur eine etwas andere Art, sich auf einen Job zu bewerben. Die Informationen geraten in den Hintergrund – die Präsentation zählt! Wer genug von Anschreiben und Lebenslauf im Schlafmantel hat, könnte Gefallen an diesem kreativen Umdenken finden.

Was ist die Guerilla-Bewerbung?

Mit dem Wort Guerilla (dt. Kleinkrieg) verbinden wir oftmals paramilitärische Truppen, die sich durch den dichten Dschungel kämpfen. Doch keine Sorgen: Diese Bewerbungen kommen stets in friedlicher Mission. Was sie mit ihrem Namensursprung verbindet, ist der Hang zum Überraschungsmoment. Guerilla-Bewerbungen sollen durch ihren Auftritt überzeugen und dem Arbeitgeber so vor allem im Gedächtnis bleiben. Es handelt sich also um eine kreative Präsentation der Bewerbungsunterlagen, die ein Personaler im beruflichen Alltag nicht erwartet.

Tipps für die Bewerbung: Manche Unternehmen benötigen mehr Informationen als Anschreiben und Lebenslauf hergeben. Bewerbt ihr euch für einen herausragenden Job und habt bereits eine aufregende Karriere zu verzeichnen? Dann ist es eine gute Idee, etwas Zeit zu investieren und über eine sogenannte dritte Seite, wie das Motivationsschreiben oder eine Projektliste, nachzudenken.

Beispiele für eine Guerilla-Bewerbung

Der Kreativität sind bei der Erstellung einer Guerilla-Bewerbung keine Grenzen gesetzt. Um euch ein besseres Bild von möglichen Bewerbungen zu machen, kommen jetzt zwei erstklassige Beispiele:

Nr. 1 – Die Cornflakes-Verpackung: Dem Bewerber Victor Rodriguez wurden altbackene Bewerbungen ein Dorn im Auge. Seine Bewerbung sollte anders werden – bunt und aufregend! Also fertigte er eine selbst kreierte Cornflakes-Verpackung an, deren Cover ihn und seine Stärken zeigte und das alles im quietschbunten Look. Auch seine Inhaltstoffe durften nicht am Packungsrand fehlen, welche dem Personaler eine Übersicht über die beruflichen Kompetenzen gaben.

Fazit: Eine Menge Kreativität plus die einzige Cornflakes-Verpackung, in der sich keine Überraschung befindet, sondern die selbst eine ist, haben Victor zu einem erfolgreichen Bewerber gemacht!

Nr.2 – Die Lichterkette: Gegen Ende des Jahres denken viele Menschen über einen Wandel in ihrem Leben nach. Das nahende neue Jahr sorgt dabei für die nötige Motivation und macht Hoffnung. Vor allem in der Weihnachtszeit sehnen sich viele Bewerber nach einem baldigen Erfolg bei der Jobsuche. Die Bewerberin Liz Hickok sah dies als Chance und befestigte eine festliche Lichterkette an der Vorderseite ihres Hauses, die den folgenden Schriftzug bildete: MEIN WUNSCH – HR JOB – LIZ HICKOK – LINKED IN.

Fazit: Bei dieser Bewerbung ist so manchem Arbeitgeber ein Licht aufgegangen!

Welche Bewerbungsunterlagen sind enthalten?

Eine Guerilla-Bewerbung kann alle üblichen Dokumente, wie Anschreiben und Lebenslauf enthalten. Gerade bei dieser Art der Bewerbung wollen Bewerber dieses eingefahrene Konzept jedoch eigentlich vermeiden. Wer seine wichtigsten Informationen kreativ, aber dennoch ausdrucksstark rüberbringt, muss im besten Fall auf gar keine Bewerbungsunterlagen zurückgreifen, bis der Arbeitgeber diese anfordert.

Wann benutze ich eine Guerilla-Bewerbung?

Eine Guerilla-Bewerbung birgt immer ein gewisses Risiko. Sie wird nicht von jedem Arbeitgeber wohlwollend angenommen und sollte daher nur dann verwendet werden, wenn der Bewerber das nötige Selbstbewusstsein mitbringt und wenn er einen sinnvollen Ansatz mit seinem kreativen Konzept verfolgt. Bewerber sollten sich daher vor dem Versand die Meinungen von Freunden und der Familie einholen, um zu überprüfen, wie die Bewerbung bei Dritten ankommt.

Tipps zum Vorstellungsgespräch: Kam eure Idee gut an? Dann wird es Zeit für ein Vorstellungsgespräch. Um euch richtig auf den Job zu bewerben, werdet ihr jedoch nicht ohne eine stinknormale Bewerbung auskommen. Sollte euch der Personaler nicht vorher um eine Bewerbungsmappe inklusive Anschreiben und Lebenslauf gebeten haben, dann bringt auf jeden Fall eine schriftliche Bewerbung mit zum persönlichen Treffen. Das gehört nicht nur zum guten Ton, sondern ermöglicht es dem Personaler, während des Gesprächs einen Blick in eure Unterlagen zu werfen.

Der Erfolg einer Guerilla-Bewerbung

Beweist ein Bewerber Stilsicherheit bei der Erstellung und Präsentation seiner Bewerbung, kann diese sehr erfolgreich sein. Oftmals ziehen Guerilla-Bewerbungen nicht nur die Aufmerksamkeit von Arbeitgebern auf sich, sondern begeistern auch die Öffentlichkeit, wodurch die Chance auf ein Jobangebot maßgeblich gesteigert wird. Die Bewerbung von Liz Hickok beweist zudem, dass Guerilla-Bewerbungen nicht nur in kreative Branchen, wie Design und Marketing, Eindruck machen, sondern ebenfalls in konservativen Branchen, wie dem Personalwesen, gut ankommen können – sofern sie nicht über das Ziel hinaus schießen.