Bewerbung

Du Herr Bert…? – Bewerbung per Du?

Viele Unternehmen, darunter nicht nur Startups und Vertreter der Medienbranche, verlassen heutzutage die eingefahrenen Wege und nutzen über alle Hierarchieebenen hinweg das formlose DU. Doch wie gehe ich als Bewerber damit um, wenn ich bereits in der Stellenausschreibung geduzt werde und dort die Rede von DEINEN Aufgaben ist? Darf ich meinen Ansprechpartner im Anschreiben meiner Bewerbung dann direkt mit einem DU ansprechen oder sollte ich hier doch lieber auf Nummer sicher gehen und das distanziertere SIE verwenden?

In konservativen Branchen wie dem Bankwesen herrscht nach wie vor eine strikte Sie-Kultur, die sogar so weit geht, dass Kollegen, die untereinander zwar „per Du“ sind, sich vor Kunden gegenseitig mit einem „Sie“ anzusprechen haben. Andere Branchen gehen die DU oder SIE Problematik pragmatischer an. Bei IKEA beispielsweise zählt das DU unter allen Mitarbeitern und auch gegenüber Kunden seit jeher zum Standard. Andere Großkonzerne wie Otto oder Lidl ziehen nach.

Wo früher nur in Stellenausschreibungen für Auszubildende oder Praktikanten geduzt wurde, liest man heute ebenfalls in Jobangeboten für Manager oder Führungskräfte Formulierungen wie

    „Zu DEINEN Aufgaben gehören…“

    „DU passt in unser Team, wenn…“

Teilweise wird diese Strategie allerdings nicht konsequent verfolgt. So findet man auf vielen Unternehmenswebsites sowohl Ausschreibungen in der DU-Form als auch in der SIE-Form, ohne dass eine rationale Begründung erkennbar ist. Oft stecken dahinter ganz einfach unterschiedliche Abteilungen oder Personalsachbearbeiter. Noch komplizierter wird es, wenn in der spezifischen Aufgabenbeschreibung zwar geduzt wird, doch unter der der Ausschreibung dann ein Standardtext auftaucht, in dem man liest

    „Sollten SIE noch Fragen haben…“

    „Wir freuen uns auf IHRE Bewerbung.“

Wann darf ich denn jetzt in meiner Bewerbung duzen?

Unsichere Bewerberin

© pathdoc (Fotolia.de)

Hier nicht:

Wenn in der Stellenausschreibung gesiezt wird, bleibst du natürlich ganz formal beim SIE und verwendest in deiner Bewerbung die Anrede „Sehr geehrte/r…“, selbst wenn du vielleicht schon von Mitarbeitern gehört hast, dass im Unternehmen generell geduzt wird. Das SIE ist heute in den meisten Bewerbungen immer noch Standard.

Ausbildung oder Praktikum

Befindest du dich auf der Suche nach einer Praktikumsstelle oder einem Ausbildungsplatz, wirst du aufgrund deines Alters in nahezu jeder Stellenausschreibung geduzt. Hier spielt es kaum eine Rolle, ob du dich in einem konservativen oder eher kreativen beruflichen Umfeld bewegst. In deiner Bewerbung und ebenso im Vorstellungsgespräch verwendest du die SIE-Form und bleibst dabei, bis dein Gegenüber dir das DU anbietet.

Medienbranche und Startups

Wie oben bereits erwähnt, zählt das DU in der Startup-Szene und der Medienbranche zum Standard und man wird fast schon schief angesehen, wenn man jemanden neu kennenlernt und ihn siezt. Bei deiner Bewerbung solltest du dennoch das SIE verwenden. Das mag zwar paradox klingen, aber zunächst einen professionellen Abstand zu wahren, wird dir eher verziehen, als dass du dich mit einem DU direkt zu weit aus dem Fenster lehnst. Gerade die Personalverantwortlichen in diesen Unternehmen bevorzugen im Gegensatz zu den kreativen Köpfen doch eher den konservativen Weg.

    Zwei Ausnahmen:

      Eine Stellenausschreibung, in der konsequent geduzt wird und dein Ansprechpartner ebenfalls nur mit dem Vornamen genannt wird.

      Hier kannst du beruhigt das DU verwenden und dein Anschreiben mit einem „Hallo [Ansprechpartner]…“ beginnen.

      Es handelt sich um ein sehr junges Unternehmen, welches sich und sein Team nach außen hin offen und locker präsentiert. Außerdem wird kein direkter Ansprechpartner oder Adressat genannt.

      In diesem Fall kannst du statt der unspezifischen Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ auch ein „Liebes Team…“ verwenden.

Größere Unternehmen

Gerade wenn es um Traineestellen geht bzw. wenn Studenten gezielt angesprochen werden sollen, trifft mann in Stellenausschreibungen größerer Unternehmen ebenfalls oft auf die DU-Anrede. Mit dem SIE in deiner Bewerbung bist du aber immer auf der sicheren Seite. In den meisten Fällen werden Bewerbungen in der DU-Form hier nicht gut ankommen, da es sich häufig um ein hochprofessionelles Umfeld handelt und gewisse Etiketteregeln einfach gewahrt werden müssen. Dies beginnt schon bei der Bewerbung. Ein späterer Wechsel vom SIE zum DU ist weitaus einfacher als die umgekehrte Variante.[/box]

Spezialfall interne Bewerbung

Bei einer internen Bewerbung ist eine Menge Fingerspitzengefühl gefragt. Selbst wenn man mit dem Kollegen aus der Personalabteilung eigentlich seit Jahren per Du ist und sich vielleicht sogar neben dem Job zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten trifft, kann das DU hier Probleme bereiten. Je nach Unternehmenskultur ist es ratsam, in die Sie-Form zu wechseln, da die Bewerbung vielleicht noch einmal bei der Geschäftsführung vorgelegt werden muss, bevor der Personalmanager seine Entscheidung treffen darf. Die einfachste Möglichkeit ist hier, den Kollegen einfach zu fragen, welche Variante er für richtig hält.

Wie kann ich im Vorfeld herausfinden, ob ich in meiner Bewerbung duzen darf?

Im Idealfall kontaktierst den in der Stellenausschreibung genannten Ansprechpartner, bevor du die Bewerbung abschickst, telefonisch oder per Mail. Bleibe dabei aber zunächst auf Abstand und verwende das SIE. Wenn dir dann im Telefonat das DU angeboten wird, oder die Mail direkt mit einem „Hallo [dein Vorname]“ beginnt oder noch besser mit einem „Besten Gruß [Vorname deines Ansprechpartners]“ endet, kannst du in deiner Bewerbung mit einem DU nicht mehr viel falsch machen.

Lampe Zusätzlich hast du durch diesen Erstkontakt schon einen kleinen Interessensbonus gegenüber deinen Mitbewerbern und kannst dich in der Einleitung deines Anschreibens direkt für das freundliche Telefonat oder die informative E-Mail bedanken.

Unser Fazit

Auch wenn immer mehr Unternehmen heute das zwanglose DU in Ihren Stellenangeboten nutzen, ist ein direktes DU als Anrede in der Bewerbung in den meisten Fällen ungern gesehen. Die Chefs großer Konzerne wollen mit der Einführung einer Duz-Kultur nach außen hin zwar flache Hierarchien verdeutlichen und zeigen „Ich bin einer von euch!“, doch in der Praxis sind diese Hierarchien oft gar nicht so flach und so mancher Manager fühlt sich auf den Schlips getreten, wenn er plötzlich von dem neuen Auszubildenden mit „Hey Peter…“ angesprochen wird.

Im persönlichen Kennenlernen kann man das Problem mit dem DU oder SIE durch geschickte Rhetorik meist umschiffen. Eine Bewerbung ist bei aller Modernisierung aber immer noch ein eher förmlicher Akt, der (zumindest heute noch) gewissen Regeln unterliegt. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist und bleibt das SIE daher zunächst die erste Wahl.