Codes in Arbeitszeugnissen – Bedeutung der Formulierungen

Ein gutes Arbeitszeugnis ist für eine erfolgreiche Bewerbung eine Voraussetzung. Doch nicht jeder Bewerber kann sein Zeugnis richtig einschätzen. Der Grund: Personaler schreiben das Arbeitszeugnis in einer Zeugnissprache. Welche Codes es in Arbeitszeugnissen gibt und welche Bedeutung sie haben, erfährst du in diesem Artikel.

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Falls dir dein ehemaliger Arbeitgeber ein schlechtes Arbeitszeugnis ausgestellt hat, kann dies für deine nächste Bewerbung ein K.O.-Kriterium sein. Auf das schlechte Zeugnis vollständig in den Bewerbungsunterlagen zu verzichten, ist aber ebenfalls problematisch, falls du keine alternativen Zeugnisse beilegen kannst. So fragt sich der Personaler nämlich, was du verbergen willst.

Kein Wunder also, dass zahlreiche Bewerber eine Korrektur ihres Zeugnisses fordern und im Notfall sogar vor Gericht ziehen. Unternehmen sind durch die Gewerbeordnung dazu verpflichtet, das Arbeitszeugnis „wohlwollend“ zu verfassen und das berufliche Fortkommen nicht zu erschweren. Durch die Verwendung der Zeugnissprache wirkt aber jedes Arbeitszeugnis auf den ersten Blick wohlwollend. Wie sieht also ein schlechtes bzw. gutes Arbeitszeugnis überhaupt aus? Mit folgenden Informationen kannst auch du dein Zeugnis richtig einschätzen und erkennst, was sich hinter den Formulierungen wirklich versteckt.

TIPP Die Gewerbeordnung untersagt ebenfalls „doppeldeutige“ und „verschlüsselte“ Formulierungen im Arbeitszeugnis. Verstehst du also die Zeugnissprache und bist mit einer Formulierung in deinem Zeugnis unzufrieden, kannst du ebenfalls eine Korrektur verlangen. Das Gericht sollte allerdings immer die Notlösung bleiben! Sprich zuerst mit dem Verfasser des Arbeitszeugnisses, denn nicht immer kennen Personaler sich mit der Zeugnissprache aus und bewerten dich unbewusst schlechter.

Versteckte Noten im Arbeitszeugnis

Personaler benutzen in Arbeitszeugnissen ganz spezielle Formulierungen und Codes, um die Leistung und das Verhalten des Arbeitnehmers zu bewerten. Diesen kann, genau wie in der Schule, eine Note von eins bis sechs zugeordnet werden. Oftmals ist es schwer zu durchschauen, welche Note sich hinter den Formulierungen in der Zeugnissprache verbirgt. Auf den ersten Blick erscheinen viele Sätze sehr positiv, aber in Wirklichkeit ist die Bewertung oft mangelhaft.

Gängige Formulierungen zur Benotung der Leistungen:

Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben…

  • Note 1 – sehr gut: … stets zu unserer vollsten Zufriedenheit
  • Note 2 – gut: … zu unserer vollsten Zufriedenheit
  • Note 3 – befriedigend: … zu unserer vollen Zufriedenheit
  • Note 4 – ausreichend: … zu unserer Zufriedenheit
  • Note 5 – mangelhaft: … insgesamt/im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit
  • Note 6 – ungenügend: Er war bemüht …

Nicht nur die obigen Codes sind für ein gutes Arbeitszeugnis relevant. Die Regel lautet: Je persönlicher, desto besser ist das Zeugnis. Floskelhafte Beschreibungen überzeugen Unternehmen nicht. Eine persönliche Empfehlung spricht zum Beispiel viel mehr für den Bewerber.

In vielen kleineren Unternehmen werden die scheidenden Arbeitnehmer aufgefordert, das Zeugnis selber zu schreiben. Dies ist nicht verboten und in der Praxis durchaus gängig. Die richtigen Formulierungen zu kennen, ist dann umso wichtiger.

Die wichtigsten Codes in Arbeitszeugnissen

Hier haben wir dir eine Auswahl beliebter „Codes“ in der Zeugnissprache zusammengestellt. Diese beziehen sich sowohl auf die Leistung des Arbeitnehmers, als auch auf sein Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten. Die Beispiele orientieren sich an der Liste der Sprachwissenschaftler Presch und Gloy von 1977, die schon damals die Zeugnissprache in Arbeitszeugnissen näher untersucht haben und deren Ergebnisse bis heute aktuell sind.

Beispiele:

Mit den Vorgesetzten ist er gut zurechtgekommen.
Bedeutung: Er ist ein Mitläufer und hat keine Eigeninitiative.

Für die Belange der Mitarbeiter bewies er immer Einfühlungsvermögen.
Bedeutung: Er hat mit den anderen Mitarbeitern geflirtet bzw. hatte sexuelle Kontakte mit anderen Mitarbeitern. Ist die Formulierung „umfassendes Einfühlungsvermögen“, dann bezieht sich der Satz auf homosexuelle Kontakte mit Mitarbeitern.

Er verfügt über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen.
Bedeutung: Er überspielt mit Arroganz sein mangelndes Fachwissen.

Er machte sich mit großem Eifer an die ihm übertragenen Aufgaben.
Bedeutung: Er war fleißig, aber hatte bei seinen Aufgaben keinen Erfolg.

Er erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß.
Bedeutung: Er war zu bürokratisch und zeigte keine Eigeninitiative.

Er verstand es, die ihm übertragenen Aufgaben mit Erfolg zu delegieren.
Bedeutung: Er hat sich vor seiner Arbeit gedrückt und die Aufgaben an seine Kollegen übergeben.

Im Umgang mit Mitarbeitern und Vorgesetzten zeigte er eine erfrischende Offenheit.
Bedeutung: Er war zu frech zu seinen Vorgesetzten (und Mitarbeitern).

Er war mit Interesse bei der Sache/zeigte großes Interesse an seinen Aufgaben.
Bedeutung: Er war interessiert, hatte aber keinen Erfolg.

Er war sehr gesellig und trug so zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.
Bedeutung: Er hatte ein Alkoholproblem.

Falls in dem Arbeitszeugnis explizit die Worte „ehrlich“ und „pünktlich“ erwähnt werden, solltest du ebenfalls stutzig werden. Diese Eigenschaften setzen Arbeitnehmer automatisch voraus und stehen nur im Arbeitszeugnis, wenn der Arbeitgeber keine anderen positiven Eigenschaften nennen konnte bzw. wollte. Sie wirken bei der Bewerbung also eher negativ. Eine Ausnahme gibt es aber: In den Arbeitszeugnissen der Gastronomie und im Einzelhandel ist die Eigenschaft „ehrlich“ besonders wichtig und sollte im Zeugnis (sowie im Lebenslauf und Bewerbungsschreiben) sogar hervorgehoben werden.

Einen Eindruck über die Qualität deines Zeugnisses kannst du dir mit dem Tool unseres Kooperationspartners arbeitszeugnis.io verschaffen: