Attraktive Frauen haben weniger Chancen bei Bewerbungen

Attraktive Frauen werden im Bewerbungsverfahren benachteiligt. Das hat eine Studie des US-Forschers Bradley Ruffle ergeben. Demnach erhalten durchschnittlich aussehende Frauen eher eine Einladung zum Bewerbungsgespräch als schöne Bewerberinnen. Mehr zu dem Ergebnis, den Gründen und zu alternativen Bewerbungsmethoden findest du in diesem Artikel.

Attraktive Frauen haben weniger Chancen bei Bewerbungen

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Die Studie:

Die Studie wurde von Bradley Ruffle, Professor der Ben-Gurion Universität in Israel, durchgeführt. 5312 Bewerbungen wurden dabei für 2656 Stellenanzeigen verschickt, d.h. zwei Bewerbungen pro Stelle. Hierfür wurden zahlreiche Bilder von Studenten (Männer und Frauen) nach den Kriterien „attraktiv“ und „durchschnittlich“ ausgewählt. Die Bewerbungen wurden dann jeweils mit einem durchschnittlichen Bild, dem Bild einer attraktiven Person und ganz ohne Bewerbungsfoto verschickt.

Das Ergebnis:

Frauen:

Die Ergebnisse sprechen für sich: Attraktive Frauen wurden am wenigsten zu Vorstellungsgesprächen eingeladen (12,8%). Erstaunlicherweise hatten Bewerberinnen, die kein Foto bei ihrer Bewerbung mitgeschickt hatten, mit über 16 Prozent, die größten Chancen auf ein Gespräch bzw. den Job. Eine durchschnittlich aussehende Frau erhielt in 13,6 Prozent der Fälle eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch.

Männer:

Bei den Bewerbungen von Männernwar es genau umgekehrt. Hübsche Männer wurden besonders häufig zum Vorstellungsgespräch eingeladen (19,7 %). Die schlechteste Rücklaufquote hatten Bewerbungen von Männern mit einem durchschnittlichen Foto (9,2 %). Sogar Bewerber, die kein Bewerbungsfoto hatten, bekamen mit über 13 Prozent mehr positives Feedback von den Unternehmen.

Warum werden attraktive Frauen benachteiligt?

Die Studie zeigt, dass Männer, die gut aussehen, bei der Bewerbung um einen Job große Vorteile haben. Bei schönen Frauen ist es umgekehrt: Gut aussehende Bewerberinnen haben deutlich schlechtere Chancen, einen Job zu bekommen. Doch was ist der Grund? An dem Vorurteil, schöne Frauen wären dümmer, liegt es jedenfalls nicht. Das konnte Ruffle in einem zweiten Versuch ausschließen.

Der Forscher sieht den wahren Grund für die Benachteiligung von attraktiven Frauen in der „weiblichen Eifersucht“. Der Großteil der Personalabteilung in Ruffles Studie war weiblich. Die Bewerbungsfotos von schönen Frauen werden, laut Ruffle, von weiblichen Personalleitern als mögliche Bedrohung oder Konkurrenz im Beruf angesehen und deswegen benachteiligt. Bewerbungsmappen von Männern, die gut aussehen, werden dagegen bevorzugt.

Alternative: Anonyme Bewerbung

Ob „weibliche Eifersucht“ nun der wirkliche Grund ist oder nicht, Fakt bleibt, dass es im Bewerbungsverfahren zu Diskriminierung kommt. Das Bewerbungsfoto kann die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch je nach Attraktivität und Geschlecht (und ethnischer Herkunft) stark beeinflussen. Fair kann man das nicht nennen! Was ist also zu tun?

Die anonyme Bewerbung ist ein alternatives Verfahren aus den USA, das in den letzten Jahren von Politik und Gesellschaft als Bewerbungsmethode diskutiert wurde. Bereits 2010 wurde die anonyme Bewerbung in einem Pilotprojekt in Deutschland von mehreren großen Unternehmen getestet.“ Das Verfahren verzichtet auf das Bewerbungsfoto sowie gewisse Angaben im Lebenslauf und Bewerbungsschreiben. Ziel des anonymisierten Bewerbungsverfahrens ist es, die Gleichstellung in der Gesellschaft bzw. im Beruf zu fördern, sowie die Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft auszuschließen.

TIPP Mehr Informationen zum Thema und Tipps, wie du eine anonyme Bewerbung für einen Job schreibst, erhältst du in unserem Artikel „Anonyme Bewerbung – Vorbild USA“.
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