Der Arbeitsvertrag – was du wissen musst

Endlich ist das Ziel für den neuen Job erreicht und du hältst den neuen Arbeitsvertrag in den Händen. Doch bevor du unterzeichnest, solltest du einmal genau kontrollieren, ob wirklich alles mit rechten Dingen zugeht. Alles was du wissen musst, haben wir alles für dich in einem kleinen 1×1 zusammengefasst.

Arbeitsvertrag unterzeichnen

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Jeder, der sich schon einmal erfolgreich beworben hat, kennt dieses Hochgefühl: Nach dem schlecht einzuschätzenden Vorstellungsgespräch kommt die erlösende Nachricht. Du hast endlich deinen neuen Job bekommen! Ohne viel Zeit zu verlieren wird dir der Arbeitsvertrag zugestellt. Aber Moment: Einfach so unterschreiben?


Nein!


Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist in diesem Fall besser. Schließlich kannst du dich mit einer leichtfertigen Unterzeichnung des Arbeitsvertrages schnell in die Nesseln setzen. Begutachte deinen Vertrag am besten mit diesem kleinen 1×1 daneben, damit auch wirklich alles Wichtige darin enthalten ist.

  1. Was ist ein Arbeitsvertrag?

    Der Arbeitsvertrag ist eine Form des Dienstvertrages nach §§ 611 ff BGB. Innerhalb des Arbeitsvertrages wird das Abhängigkeitsverhältnis zwischen dir als Arbeitnehmer und deinem Arbeitgeber festgehalten.

    Der Abschluss des Arbeitsvertrages setzt immer ein Angebot (Vertrag) sowie die Annahme von deiner Seite voraus. Nach § 105 der Gewerbeordnung kann ein Arbeitsvertrag frei zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer festgesetzt werden, solange er – das ist die Bedingung – sich an die geltenden Gesetze sowie höheren Regelungen (Grundgesetze, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen) hält. Dabei besitzen die sogenannten ranghöheren Verordnungen die vordergründige Gültigkeit.

    Das bedeutet: Die Gesetze (wie das Grundgesetz) selbst sind noch vor den Tarifverträgen zu beachten. Letztgenannte stehen noch über den eigenen Vertriebsvereinbarungen.

    Es wird dabei unterschieden zwischen einem befristeten und unbefristeten Arbeitsvertrag. Unbefristete Verträge haben keine beschränkte Laufzeit und müssen, sofern dies von einer der Vertragsparteien gewollt ist, gekündigt werden. Hingegen haben befristete Verträge eine Laufzeit von maximal zwei Jahren und können höchstens dreimal verlängert werden. Die Befristung des Vertrages muss dabei schriftlich erfolgen (§ 14 Abs. 4 TzBfG).

  2. Vertragsabschluss

    Der Vertragsabschluss kann auf drei verschiedene Weisen erfolgen: schriftlich, mündlich oder einzig durch schlüssiges Verhalten. Im letztgenannten Fall besteht seit Inkrafttreten des Nachweisgesetzes (NachwG) 1995 für Arbeitnehmer die Möglichkeit, juristische Schritte einzuleiten. Mit Recht können Arbeitnehmer eine schriftliche Niederlegung der wesentlichen Bestandteile des Arbeitsvertrages einklagen gemäß § 2 NachwG.

  3. Nennung der Parteien im Arbeitsvertrag

    Ein Arbeitsvertrag muss an gewissen Stellen eindeutig sein. So müssen die beiden Vertragsparteien vollständig und mit richtigem Namen genannt werden. Gleiches gilt für die Anschrift der beteiligten Parteien. Diese müssen in dem Vertrag vollständig und fehlerfrei aufgeführt werden. Dies ist notwendig, damit später der Arbeitsvertrag eindeutig zugeordnet werden kann und dadurch keine Widersprüche entstehen.

  4. Aufnahme der Tätigkeit

    … oder auch einfach der Arbeitsbeginn. Mit diesem Datum tritt der von dir unterschriebene Vertrag in Kraft. Im Nachhinein kann so niemand behaupten, du seist viel früher in dem Unternehmen beschäftigt gewesen oder hättest erst viel später mit der Arbeit begonnen.

  5. Probezeit

    Nur noch selten werden Arbeitsverträge abgeschlossen, ohne das eine Probezeit festgehalten wird. Diese Probezeit ist ebenfalls gesetzlich geregelt, sodass ein Arbeitgeber nicht spontan irgendeine Zeitspanne wählen kann. Die maximale Probezeit in einem Unternehmen liegt bei 6 Monaten (§ 622 Abs. 3 BGB). Innerhalb dieser Probezeit stehen dem Arbeitgeber besondere Kündigungsregelungen zu. Dazu aber in Punkt 11 mehr.

  6. Einsatzort

    Wenn du bei einem Unternehmen mit nur einem Standort arbeitest, mag dir die eindeutige Definition des Arbeitsortes eher trivial vorkommen. Doch grade bei großen Unternehmen mit verschiedenen Standorten oder für Arbeitnehmer, die im Außendienst einer Firma arbeiten, ist dieser Punkt des Arbeitsvertrages wichtig. So kannst du bei spontanen Plänen deines Chefs, dich einfach an einem ganz anderen Standort einzusetzen, immer auf deinen Vertrag verweisen.

  7. Beschreibung deiner Tätigkeit

    Ebenso wie jede gute Stellenausschreibung ein Tätigkeitsprofil besitzt, so muss es ein ebensolches auch in deinem Arbeitsvertrag geben. Deine Arbeitsinhalte müssen aus dieser Kurzbeschreibung deiner Tätigkeit für die Strukturierung deines Arbeitsverhältnisses hervorgehen. An diesem Punkt gibt es für den Arbeitgeber in Bezug auf das Arbeitsrecht ein kleines Problem, das dich vielleicht auch stutzig machen kann – zumindest, wenn du deinen Vertrag genauer liest:

    Wenn dein künftiger Arbeitgeber deine Aufgaben zu genau definiert, bist du innerhalb des dann bestehenden Arbeitsverhältnisses nicht flexibel einzusetzen. Du selbst kannst zu schnell eine Abmahnung kassieren, weil du Aufgaben erledigst, die nicht in deinen eigentlichen Arbeitsbereich fallen. Schließlich besteht der Verdacht, dass du deine eigentlichen Aufgaben dadurch vernachlässigen könntest.

    Auf der anderen Seite hast auch du das Recht, deinen Arbeitgeber, aufgrund von Abweichungen zwischen deinen tatsächlichen Aufgaben und dem festgehaltenen Tätigkeitsprofil im Arbeitsvertrag, rechtlich zu belangen.

    Deswegen werden meist die Aufgaben sehr allgemein gehalten. Je allgemeiner die Aufgaben definiert werden, desto vielseitiger wirst du eingesetzt. Folglich muss der Arbeitsvertrag nicht bei jedem Einsatzgebiet wieder geändert werden.

  8. Die Arbeitszeit

    Abhängig von dem Unternehmen gibt es verschiedene Möglichkeiten der Arbeitszeit und der Wochenstunden. Zur eindeutigen Definition des Arbeitsverhältnisses muss festgehalten werden, ob du in Gleitzeit arbeitest, eine 40 oder 35 Stunden Woche hast und ob du beispielsweise in Wechselschichten arbeitest.

    Überdies hinaus wird in diesem Vertragsabschnitt ebenfalls die Handhabung von Überstunden und Mehrarbeit definiert.

  9. Die Vergütung

    Es wird festgehalten, ob du für deine Arbeitsleistung in dem Unternehmen einen Zeitlohn, einen Festlohn oder aber einen Akkordlohn erhältst. Zudem wird die Gehaltshöhe bestimmt und welche Zusatzleistungen ggf. in dein Entgelt mit einfließen. Schließlich muss dein Arbeitgeber an diesem Punkt festhalten, zu welchem Zeitpunkt des Monats du dein Gehalt erhältst (Anfang des Monats oder am 15. jeden Monat).

  10. Urlaub

    Entsprechend seiner Tätigkeit bzw. seiner Arbeitszeit muss der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer Erholungsurlaub zusprechen (BurlG). Wie du im Bundesurlaubgesetz sehen wirst, gibt es dazu bestimmte Regelungen, die eingehalten werden müssen. Prüfe daher am besten bei Erhalt des Vertrages, ob dir in diesem Arbeitsverhältnis der Urlaub gewährt wird, der dir zusteht.

  11. Die Kündigungsfrist

    Diese Frist dient dem Schutz des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers. So kann keine der beiden Vertragsparteien einfach das Arbeitsverhältnis beenden – es sei denn es gibt einen triftigen Grund für eine fristlose Kündigung. Denk dabei daran, dass die Kündigungsfrist zwischen der Probezeit und dem „normalen Angestelltenverhältnis“ variiert.

  12. Bei diesem kleinen 1×1 zum Arbeitsvertrag handelt es sich um die Pflichtbestandteile, die in einem regulären Vertrag festgehalten werden müssen. Alles darüber hinaus ist frei zwischen den beiden Parteien verhandelbar, muss sich aber im Rahmen der Gesetze und höheren Regelungen bewegen.

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