Arbeitslos nach dem Studium

So mancher angehende Akademiker träumt während seines Studiums von einem direkten Einstieg in eine hochbezahlte Stelle, in der er sich selbst verwirklichen und schnell aufsteigen kann. Die harte Arbeit während des Studiums soll schließlich angemessen entlohnt werden. Sollte ich also nach meinem Abschluss lieber Rosinen picken oder zunächst nehmen, was ich bekommen kann?

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  • Deprimierter Studienabsolvent mit Doktormütze

Warten auf den Traumjob vs. Lücke im Lebenslauf

Der oder die Erste ist sprichwörtlich immer der oder die Schwerste. Sei es der erste Schritt, die erste Million oder eben der erste Job nach dem Studium. So mancher angehende Akademiker träumt während seines Studiums von einem direkten Einstieg in eine hochbezahlte Stelle, in der er sich selbst verwirklichen und schnell aufsteigen kann. Die harte Arbeit und die Entsagungen während des Studiums sollen schließlich angemessen entlohnt werden. Sollte ich also nach meinem Abschluss lieber Rosinen picken oder zunächst nehmen, was ich bekommen kann, um erst einmal relevante Berufserfahrung zu sammeln?

Dein Wunschunternehmen hat aktuell keine passenden Stellen ausgeschrieben, der heißbegehrte Job, auf den du dich voller Vorfreude beworben hast, wurde an einen anderen Bewerber vergeben oder du hast einfach noch nicht das richtige Jobangebot gefunden. Es kann vielfältige Gründe haben, dass du nach dem Studium nicht übergangslos in die Berufswelt einsteigst und dir daher die Arbeitslosigkeit droht. Selbstverständlich wirken gerade die großen Namen renommierter Unternehmen immer sehr gut im Lebenslauf.

Doch genau das ist auch der Grund, warum gerade hier oft mehrere hundert Bewerber auf eine einzige Stelle kommen. Die Unternehmen können sich aus all den Absolventen also ohnehin die Besten aussuchen. Mit einem eher durchschnittlichen Studienabschluss stehen die Chancen auf einen Jobeinstieg bei einem der Branchenführer leider eher schlecht. Wer nicht darauf angewiesen ist, nach seinem Studium schnell eigenes Geld zu verdienen, kann durchaus erst einmal versuchen, einen der begehrten Arbeitsplätze zu ergattern. Wer aber zu lange wartet, hat plötzlich eine klaffende Lücke im Lebenslauf, die den eigenen Wert auf dem Arbeitsmarkt mehr und mehr mindert.

Lücke im Lebenslauf?

Lücken im Lebenslauf – so heißt es immer – gelten unter Personalern als Ausschlusskriterium. Dies gilt allerdings vor allem für nicht begründete Lücken. Also die Zeiten, in denen der Bewerber wortwörtlich nichts gemacht hat. Ein sogenanntes Gap-Year, ein Work and Travel Aufenthalt oder eine Backpacking-Reise, um einfach mal die Welt zu sehen, bevor der Ernst des Lebens beginnt, sind beliebte Tätigkeiten, mit denen sich Studenten nach ihrem Abschluss belohnen.
Darüber hinaus können Sie den eigenen Lebenslauf durchaus aufwerten – das Stichwort lautet internationale Erfahrung.

Während dieser Zeit kann man das Leben genießen, sich ganz nebenbei Gedanken über seine berufliche Zukunft machen und die Augen nach interessanten Stellenangeboten offenhalten. Vorausgesetzt natürlich, man kann sich diesen Luxus auch leisten. Die finanzielle Situation sieht bei Studenten bekanntermaßen nicht immer rosig aus. Obendrein noch Rücklagen für eine längere Auszeit beiseite zu legen, ist oft nicht möglich. Vielen bleibt daher nur die Wahl zwischen dem erstbesten Jobangebot oder dem Gang zum Arbeitsamt.

Muss ich mich arbeitslos melden?

Grundsätzlich kann niemand dazu gezwungen werden, sich arbeitslos bzw. arbeitssuchend zu melden. Fehlen aber die nötigen Rücklagen, um seinen Lebensunterhalt (Miete, Krankenversicherung und so weiter) ohne Hilfe bestreiten zu können, haben die meisten leider keine andere Wahl, als den Weg zum Arbeitsamt anzutreten.

Da die wenigsten Absolventen direkt nach ihrem Studium keine mindestens zwölfmonatige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nachweisen können, besteht in der Regel nur Anspruch auf Arbeitslosengeld II – besser bekannt als Hartz 4. Hier werden deine Miete und Nebenkosten übernommen, du bist krankenversichert und bekommst auch noch ein wenig Geld für deine sonstigen Ausgaben. Jedoch kannst du dich keineswegs ausruhen und in aller Ruhe nach den besten Jobangeboten suchen. Im Gegenteil: Du sollst so schnell wie möglich wieder aus der Statistik verschwinden und musst daher so gut wie jeden Job annehmen, der dir angeboten wird (oder dich zumindest darauf bewerben).

Der Gang zur Arbeitsagentur kann aber dennoch hilfreich sein. So kannst du dich beispielsweise hinsichtlich deiner beruflichen Perspektiven beraten lassen und kostenlose Angebote wie Trainings für Bewerbungen oder für deinen Berufswunsch relevante Weiterbildungen wahrnehmen. Diese werden dir allerdings nicht hinterhergeschmissen. Hier ist Eigeninitiative gefragt und manchmal musst du auch etwas öfter nachbohren, bevor dir die gewünschten Möglichkeiten offengelegt werden. Wenn du hier bei deinem zuständigen Sachbearbeiter auch auf mehrmaliges Nachfragen nicht weiterkommst, kann es sich lohnen, den Berater zu wechseln. Dies ist allerdings nicht immer ohne weiteres möglich und muss schriftlich beantragt werden (siehe hier).

Erstmal kleine Brötchen backen?

Wer nicht direkt in seinem Traumjob einsteigen kann, sollte die Flinte gleich nicht ins Korn werfen, sondern zunächst etwas Berufserfahrung in seiner Branche sammeln, um sich eventuell sogar auf ein bestimmtes Gebiet spezialisieren, womit man bei der nächsten Bewerbung deutlich bessere Karten hat. Die Chance auf einen Arbeitsvertrag bei einem der begehrten Unternehmen kann so deutlich gesteigert werden.

Neben der relevanten Praxiserfahrung – die wenigsten Unternehmen stellen Mitarbeiter ein, die in ihrer Position noch keine Erfahrung mitbringen – kannst du vor allem neue Kontakte knüpfen, welche später vielleicht einmal zum Türöffner für deinen Traumjob werden. Auch aus einem Studentenjob können sich viele Chancen für deine zukünftige Karriere ergeben.

Außerdem haben schon viele in einer Stelle, die sie zunächst aus der Not heraus angenommen haben, ihre berufliche Erfüllung gefunden. Für den einen oder anderen kann es sich also lohnen, vor dem Berufseinstieg erst einmal nach den besten Stellen Ausschau zu halten. Bevor man seiner eigenen Karriere dadurch aber selbst Steine in den Weg legt, sollte man besser auch die zweite Wahl in Betracht ziehen.

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Von | 2017-08-16T09:50:36+00:00 17. Februar 2017|Jobsuche, Studium|